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Fotografin: Evelin Frerk

"Aber ich habs doch am eigenen Leib erlebt!" Dieser affirmative Ausruf ist weit verbreitet, führt uns aber allzu oft in die Irre. Denn es ist nicht immer wahr, was wir wahrnehmen! Als Wahrnehmungspsychologe beschäftigen mich die vielfältigen Phänomene und Mechanismen, die unser Erleben bestimmen und damit letztlich unser Weltbild formen. Dass es dabei zu Irrungen und Fehldeutungen kommt - und zwar öfter und meist an ganz anderen Stellen als wir es uns denken -, ist eine Tatsache, die vielen weit verbreiteten Irrtümern unserer Gesellschaft zugrunde liegt. Die Homöopathie und andere Formen der Pseudomedizin sind nur besonders weit verbreitete Beispiele dafür. Will ich damit etwa behaupten, alle Menschen "täuschen" sich, wenn sie glauben gesund zu werden, sich besser fühlen? Natürlich nicht! Die Mechanismen sind subtiler, versteckter. Wer wissen will, wie sie wirken, muss eben genauer hinsehen. Das beschäftigt mich seit vielen Jahren: In Nürnberg war ich am Aufbau des Erlebnismuseums "Turm der Sinne" beteiligt und führte dessen Geschäfte von seiner Eröffnung 2013 bis 2016. In meinem Kurs "Wahrnehmungspsychologie" für Design-Studenten an der Technischen Hochschule in Nürnberg versuche ich, den Studierenden die Werkzeuge zu vermitteln, wie sie Wahrnehmungsmechanismen erkennen und bei der Erkenntnissuche berücksichtigen können. Im Wissenschaftsrat der GWUP bin ich dafür verantwortlich, die Diskussionen und Aktivitäten zu koordinieren und mit dem GWUP-Vorstand abzustimmen. Homöopathie ist schon wegen ihrer viel zu großen Akzeptanz in der Bevölkerung ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Arbeit. Diese Akzeptanz führe ich auf die vielfältigen Täuschungsmechanismen zurück, die weithin viel zu wenig bekannt sind und in der Regel beim Zusammenfügen des individuellen Weltbildes leider unberücksichtigt bleiben.

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