Kranksein

Die Wirkung der Homöopathie wird von Homöopathen den homöopathischen Arzneimitteln zugeschrieben (Globuli oder Tropfen, Tablettchen oder andere Darreichungsformen). Wir sind uns sicher, dass die Homöopathie durchaus Veränderungen bewirken kann, dass diese aber nicht an den theoretischen, von Hahnemann vor 200 Jahren erdachten Erklärungen liegen kann.

Warum?

Hier lassen wir zwei Autoren zu Wort kommen:

 

1. Das Ähnlichkeitsprinzip funktioniert nicht
Ähnlichkeit ist eine menschliche Denk- und Sichtweise. Ähnlichkeiten kennt die Natur nicht. Was für Menschen ähnlich ist, ist noch lange kein Heilprinzip. Auch Analogieschlüsse sind kein naturwissenschaftliches Kriterium.

2. Arzneiprüfungen sind Humbug
Arzneiprüfungen werden nicht standardisiert durchgeführt. Kranke Arzneiprüfer kommen zu anderen Ergebnissen als gesunde Arzneiprüfer. Die Interessenlage der Arzneiprüfer spielt eine Rolle. Die eingeschränkte Reaktionsfähigkeit von Geweben spielt eine Rolle.

3. Die Verdünnungen sind zu hoch
Eine Wirksamkeit ist unmöglich, wenn keine Substanz mehr vorhanden ist. Moleküle sind einzelne Gebilde, man kann sie nicht beliebig verdünnen. Wenn nur noch 1 Molekül in der Lösung ist, dann ist nach der nächsten Verdünnung kein Molekül mehr in der Lösung - wenn doch, hat eine Verdünnung nicht stattgefunden. Die "Verschwinde-Grenze" der Substanzen hängt mit einer Naturkonstanten zusammen ("Avogadro-Konstante" oder auch "Loschmidt’sche Zahl") und liegt bei D23 (1 : 10 hoch 23 = 1 : 100 Trilliarden). In der Homöopathie werden üblicherweise viel höhere Verdünnungen angewandt: C30 (= D60) oder C200 (= D400).

4. Potenzieren von Stoffen funktioniert nicht
Dass ein 200 Jahre altes Ritual, das nur Werkzeuge verwendet, die damals bekannt waren, in der Lage sein soll, irgendwelche Geistwirkungen von der Materie zu trennen, ist eine bloße Behauptung, die aus wissenschaftlicher Sicht unmöglich ist.

5. Wasser kann keine Informationen speichern
In Wasser kann man nicht schreiben. Wenn man es trotzdem tut, kann man das Geschriebene nicht lesen. Die Idee von "Molekülclustern" hilft nicht weiter: Die entscheidenden Wasserstoffbrückenbindungen ändern sich in jeder Sekunde eine Billion Mal. Auch die Quantenphysik hilft nicht weiter. Wo nichts ist, kann nichts wirken.

6. Trennung von Wirkung und Nebenwirkung ist nicht möglich
Es ist nicht erklärbar, dass von einem Substanzgemisch nur die wirksame Substanz potenziert wird, alle anderen unwirksamen Störsubstanzen aber nicht. Es ist auch nicht erklärbar, dass von der wirksamen Substanz nur die von Menschen erwünschte Wirkung potenziert wird, die von Menschen unerwünschte Nebenwirkung aber nicht. Wie sollen Substanzen wissen, was wir wollen?

7. Homöopathie ist grundsätzlich nicht geeignet, Mangelkrankheiten zu heilen
Wenn dem Körper Substanzen fehlen, dann muss man die Substanz in der erforderlichen Dosis zuführen und nicht in einer homöopathischen Dosis.

8. Homöopathie ist grundsätzlich nicht geeignet, Vergiftungen zu heilen
Wenn der Körper mit einer Überdosierung einer giftigen Substanz belastet ist, dann führt jede zusätzliche Gabe des Giftes zu einer zusätzlichen Belastung. Eine Entlastung durch zusätzliche Giftdosen ist nicht möglich.

9. "Ganzheitlichkeit" ist nicht zu erreichen
Niemand ist in der Lage, alle Aspekte und alle Einzelheiten eines Menschen zu erfassen.

10. Phantasievolle, aber abstruse Erklärungsmodelle
Die der Homöopathie zugrundeliegenden Krankheitsmodelle sind vor dem wissenschaftlichen Zeitalter entstanden. Postulierte Kräfte wie "Lebenskraft", "Lebensenergie", "Miasmen", "Nosoden" sind nicht-existente Phantasiegebilde. Die tatsächlichen Krankheitsursachen wie Bakterien, Viren, Pilze, krebserregende Stoffe, Gifte oder Mangelerscheinungen (Hormonmangel, Vitaminmangel, Mangel an Mineralstoffen) werden hingegen nicht als Krankheitsursache akzeptiert.

11. Auch zukünftige Generationen von Wissenschaftlern werden keine Wirkungsweise finden können
Wenn wir lediglich unwissend wären, könnten Homöopathen auf zukünftige Erkenntnisse hoffen. Aber wir sind nicht unwissend, sondern wissend. Dieses Wissen steht im Widerspruch zur Homöopathie und widerlegt sie. Was heute bereits widerlegt ist, kann morgen nicht für "bewiesen" erklärt werden.

(Autor: Dr. med. Wolfgang Vahle)

 

1. Das "Ähnlichkeitsgesetz", die Vorstellung, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann, hat keine Grundlage in der Biologie oder in der Natur. Dies ist ein Produkt einer weit verbreiteten Form des magischen Denkens, bekannt als sympathische Magie - die Idee, dass Ursachen den Wirkungen ähneln. Samuel Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie, glaubte, dass der Körper nicht zuließe, dass zwei ähnliche Krankheiten gleichzeitig im Körper bestünden - aber nach zwei Jahrhunderten medizinischer und biologischer Forschung konnte kein solches Prinzip entdeckt werden.

2. Moderne Homöopathen erklären diesen mutmaßlichen Effekt als die Reaktion des Körpers auf die homöopathische Medizin, wie eine Immunisierung. Es gibt aber keine Immunreaktion auf homöopathische Zubereitungen und es gibt keinen anderen Mechanismus für eine solche Reaktion, daher wird hier nur eine Unbekannte mit einer anderen Unbekannten erklärt.

3. Hahnemanns Theorie der Krankheit, die Miasmentheorie (die Vorstellung, dass alle chronischen Krankheiten durch externe Gifte oder Miasmen verursacht werden), war vorwissenschaftlich und korreliert nicht mit irgendwelchen Erkenntnissen aus der Biologie.

4. Homöopathen behaupten, sie behandelten die ganze Person und schlagen so aus dem Marketing-Label "holistisch" Kapital, aber das widerspricht dem Ähnlichkeitsgesetz. Sie haben das Gefühl, dass ihre Heilmittel individualisiert werden müssen, wobei sie viele oberflächliche Eigenschaften des Patienten in Betracht ziehen, einschließlich seiner Persönlichkeit. Aber sie behaupten gleichzeitig, dass ein bestimmtes Heilmittel ein bestimmtes Symptom auf der Grundlage des Ähnlichkeitsgesetzes kurieren kann. Daher ist der ganzheitliche Ansatz sowohl unplausibel als auch widersprüchlich.

5. Hahnemann und moderne Homöopathen hängen außerdem "Heilgesetzen" an, zu denen auch die Vorstellung gehört, dass homöopathische Therapien Menschen von oben nach unten, von innen nach außen und beginnend mit dem neuesten Symptom behandeln. Solche Vorstellungen haben wiederum keine Grundlage in irgendwelchen Modellen der Biologie oder der Krankheit.

6. Das "Gesetz des unendlich Kleinen" behauptet, dass extreme Verdünnung die Wirksamkeit der verdünnten Substanz erhöht, aber nur die vorteilhaften Wirkungen, während alle schädlichen Wirkungen vermindert werden. Es gibt keinen Mechanismus, um auf diese einfache Weise erwünschte von unerwünschten Wirkungen zu trennen. Und zwei Jahrhunderte wissenschaftlicher Forschung bestätigen die vernünftige Annahme, dass Wirksamkeit durch Verdünnung geschwächt wird.

7. Es gilt das Prinzip, dass durch das Verschütteln des homöopathischen Mittels bei jeder Verdünnung die "Energie" oder "Essenz" der Substanz auf das Wasser oder den Alkohol übertragen wird. Somit ist die Homöopathie in gewisser Weise einfach eine weitere Spielart von Energiemedizin - basierend auf der Annahme einer vitalen Energie, die der Wissenschaft unbekannt ist.

8. Das Problem, dass homöopathische Mittel chemisch gesehen nur Wasser oder Alkohol ohne aktive Bestandteile sind, versuchen manche mit dem Argument vom "Wassergedächtnis" zu lösen. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass damit nur eine weitere Kette von Unplausibilitäten entsteht, beginnend mit der Tatsache, dass das homöopathische Wassergedächtnis bislang noch nicht nachgewiesen wurde. Zudem gibt es keinen bekannten Mechanismus, durch den flüssiges Wasser, im Gegensatz zu festen Stoffen, eine biologisch relevante komplexe dreidimensionale Struktur über eine signifikante Dauer aufrechterhalten kann. Dieser Prozess müsste aber auch in der Lage sein, die gewünschte Chemikalie von allem anderen zu unterscheiden, was sich sonst noch im Wasser befindet - alle Kontaminationen und Spurenelemente. Tatsächlich gibt es keine Erklärung dafür, dass alles, was vorher in einer bestimmten Menge Wasser oder Alkohol aufgelöst war, nicht weiterhin darin ist und daher durch den Prozess der Verdünnung und Verschüttelung gleichfalls potenziert wird.

9. Welche Informationen die Struktur des Wassers auch immer enthalten sollte, sie müssten auch auf die Zuckerpillen übertragen werden, auf die der Tropfen des homöopathischen Wassers aufgetragen wird, oder sie müssten zumindest den Prozess überleben.

10. Das Gedächtnis des Wassers müsste die Aufnahme und Absorption durch das gastrointestinale System im Körper und den Transport durch das Blut bis zu den Geweben überleben.

11. Medikamente, die Chemikalien und Proteine sind, funktionieren, weil tierische Zellen miteinander kommunizieren und ihre Funktionen über chemische und Protein-Signale regulieren. Medikamente binden die Rezeptoren für diese Signale, aktivieren oder blockieren sie, oder sie blockieren oder modifizieren die Funktion von Enzymen oder verändern biochemische Reaktionen auf andere Weise. Biologen haben weder ein "Wassergedächtnis", noch homöopathische Signale oder Rezeptoren entdeckt, noch irgendetwas, das plausiblerweise als Rezeptor für Wasserstrukturen dienen könnte. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass unsere Körper auf homöopathische Signale reagieren können, es sei denn, diese wären von vornherein Bestandteil normaler biologischer Funktionen.

12. Einige Homöopathen ziehen sich auf die Quantenmechanik zurück, um die Wirkungen homöopathischer Mittel zu erklären, aber dies ist wiederum nur ein Rückgriff auf das Unbekannte. Außerdem sind Quanteneffekte auf subatomarer Ebene relevant und können sich vielleicht bis auf die atomare Ebene auswirken. Sie sind jedoch nicht für die makroskopische Welt oder für biologische Systeme relevant.

 

(Autor: Dr. Steven Novella, Übersetzer: Harald Stücker)

Foto: Shutterstock 1183471 Anneka

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Suche

Mitmachen

Sie möchten uns unterstützen?
Hier haben Sie die Möglichkeit...

Mitmachen

Ärztliche Fortbildung

Homöopathie: Von der medizinischen Avantgarde zum wissenschaftlichen Anachronismus - Was Ärzte über die Homöopathie wissen sollten

Zum Programm Zur Anmeldung

Newsletter