SchildDie Homöopathie hält sich seit ca. 200 Jahren fast unerschüttert durch Kritik von außen. Doch es gibt auch in ihrem Inneren genug Anlass zu Kritik. Nicht nur, dass es viele verschiedene Schulen und Verfahren innerhalb der Homöopathie gibt. Sie alle beanspruchen, die "wahre Lehre" zu sein, ohne dass dies Homöopathen stutzig macht. Welche Schule hat denn nun Recht? Und wieso geben alle Homöopathen an, dass die Homöopathie gerade bei ihnen außerordentlich gut funktioniert?

Darüber hinaus widerspricht sich die Homöopathie in ihrer Theorie selbst auf alarmierende Weise. Oft stehen sich zwei Aussagen gegenüber, die nicht beide stimmen können. Als Homöopath kann man mit den Widersprüchen offensichtlich gut leben. Aber ob das wirklich für die Homöopathie und ihre Anwender spricht?

Hier haben wir besonders auffällige Widersprüche zusammengetragen. Klicken Sie auf die Titel und erfahren Sie mehr. Im Kommentarbereich unter den einzelnen Artikeln können Sie bei weiteren Fragen gerne mit uns in Kontakt treten. 

Die Debatte um das Homöopathie-Angebot der Techniker-Krankenkasse (an der sie sich mehr oder weniger zufällig entzündet hat, sie betrifft nämlich die große Mehrzahl aller gesetzlichen Kassen) löst in den Medien ein Nachbeben aus. So stellt beispielsweise die ZEIT konkret die Frage, was sich der Versicherte denn stattdessen eher als erstattungsfähig von der GKV wünschen würde. Ganz vorn dabei, häufig als alleinige Wünsche: Erweiterung der Erstattungsmöglichkeiten für Sehhilfen und Zahnersatz. Eine Umfrage der BKK Siemens hat dieses Ergebnis sehr eindeutig schon vor einiger Zeit erbracht.

Zahnersatz, Sehhilfen und "Skeptikertarife" statt Homöopathie?

Auch wir vom INH haben uns Gedanken gemacht, wie denn so ein Umbau des Leistungskatalogs der Krankenkassen etwa aussehen könnte. Kann es so etwas wie einen "Skeptikertarif" geben? Wir sind dabei auf überraschende Tatsachen gestoßen:

Auf seiner Facebook-Seite hat der DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte) am 14. April 2016 um 13.37 Uhr einen Artikel des American Institute of Homeopathy mit einem eigenen Link eingestellt (Link).

Hierin wird berichtet, ein gewisser Dr. Leonard Torok aus Medina/Ohio/USA hätte bei Knieoperationen homöopathische Zubereitungen von Arnica eingesetzt und dabei bemerkenswerte Erfolge erzielt. Dies sei anhand von Messungen der Menge Blut festgestellt worden, die während mehrerer Operationen zur Implantation eines künstlichen Kniegelenks gefiltert und dem Patienten wieder zugeführt wurde. Im Jahr bevor Dr. Torok Arnica einsetzte, hätte der Blutverlust im Durchschnitt 650 ccm betragen. Nach 17 von Dr. Torok mit Hilfe von Arnica ausgeführten Operationen hätte der Statistiker des Krankenhauses die Versuchsreihe abgebrochen, weil "statistisch signifikante Ergebnisse" vorgelegen hätten. Der durchschnittliche Blutverlust dieser 17 Patienten habe nur bei 170 ccm gelegen.

Insgesamt hätten die Untersuchungen ergeben, dass die Patienten weniger unter Schmerzen zu leiden gehabt hätten, weniger Schwellungen aufgetreten seien, die Ausheilung schneller erfolgte, der Aufenthalt im Krankenhaus kürzer war, weniger Narkosemittel eingesetzt werden musste und die Patienten daher auch weniger unter den Folgen der Narkose litten (Übelkeit etc.).

Dr. Torok habe daraufhin 10 Jahre lang bei seinen Operationen homöopathisches Arnica eingesetzt und sei vor kurzem in Ruhestand gegangen.

Soweit der DZVhÄ. Was sagt das aus?

Es gibt keine homöopathische Prophylaxe und es kann keine geben!

Homöopathen und Homöopathiebefürworter geben immer wieder an, Hahnemann hätte das Impfen quasi erfunden und es werde ja auch homöopathisch geimpft. Zur Begründung berufen sie sich auf das hahnemannsche Grundprinzip des Similia similibus curentur, Ähnliches heilt Ähnliches. Genau das geschehe doch bei der Impfung – es werden Bestandteile des Erregers verabreicht, der die Krankheit, gegen die geimpft wird, auslöst. Sie sehen darin einen Beweis für die Homöopathie und ihre Wirkung.

Was Homöopathen bei ihrer Aussage jedoch übersehen: Der Impfende "heilt" nicht.

Was, wenn der ursprüngliche "Beweis" der Homöopathie ein Fehler war?

Von der Entstehung und Festigung einer Fiktion

Ungefähr 1789, auf den Tag genau kommt es nicht an, sitzt der Apotheker, Arzt und Übersetzer medizinischer Schriften, Samuel Hahnemann, über einer Schrift des schottischen Mediziners und Chemikers William Cullen. Cullen hat sich mit verschiedenen Arzneien und deren Wirkungsweisen beschäftigt, u.a. mit dem pflanzlichen Malariamittel Chinarinde (Chinin), das damals schon als wirksames Therapeutikum bekannt war. Nicht bekannt war, da unterscheidet sich Chinarinde nicht von den anderen Arzneimitteln dieser Zeit, wie es wirkt. Cullen nimmt eine "magenstärkende" Wirkung an, eine Erklärung, die Hahnemann nicht zusagt. Hahnemann, schon mit einiger medizinischer Erfahrung ausgestattet, vermutet eine, wir wie heute wohl sagen würden, "systemische" Wirkung - aber es ist, wie alles in dieser Zeit, eine Vermutung.

Genau das ist Hahnemanns Problem: Vermutungen

Ein weiterer Punkt, in dem sich die Homöopathie widerspricht: Entweder können Homöopathika keine Nebenwirkungen haben, oder die homöopathische Arzneimittelprüfung kann nicht funktionieren.

Wenn Sie einen Homöopathen fragen, woher man weiß, welches Mittel wann einzusetzen ist, dann nennt er bestimmt das Ähnlichkeitsgesetz, einen der wesentlichen Grundpfeiler der gesamten homöopathischen Lehre.

"Ein Mittel heilt bei einem Kranken die Symptome, die es bei einem Gesunden hervorrufen kann". Das ist das Ähnlichkeitsgesetz in der Form, wie es die Homöopathen gerne zitieren. Sie können es aber auch umdrehen, dann steht da: "Ein Mittel ruft in einem Gesunden die Symptome hervor, die es bei einem Kranken heilen kann". So herum klingt das doch schon bedrohlicher, finden Sie nicht?

Dynamisierung durch Potenzierung ist keine Verdünnung? Ein weiterer Widerspruch der Homöopathie.

Zu den Grundlagen abseits der Homöopathie 

Wenn wir verdünnen, verändern wir, technisch gesehen, das Verhältnis von Substanzen in einem Gemisch, einer Lösung. Durch die Zugabe des Lösungsmittels sinkt die Konzentration der in der Lösung gelösten Stoffe.

Zuviel Salz >>> Wasser dazu >>> weniger Salz. Besser wäre wohl, zu sagen: mehr Wasser, deshalb geringere Salzkonzentration in der Gesamtmenge.

Das kann man mehrfach wiederholen. Anfangs wird man noch den Effekt feststellen, dass die Lösung weniger salzig schmeckt. Irgendwann ist es aber damit vorbei: Die Konzentration sinkt so weit, dass unsere Sensoren nicht mehr ansprechen. Die Geschmacksschwelle von Kochsalz liegt bei etwa 10 mmol/Liter, also etwas weniger als ein Gramm Kochsalz/Liter. Das Phänomen bestätigt die obige Einschätzung, dass etwas in genügender (!) Menge vorhanden sein muss, damit etwas passiert.

 Der "Cum hoc ergo propter hoc"-Fehlschluss der Arzneimittelprüfungen in der Homöopathie

"Cum hoc, ergo propter hoc", bedeutet "mit diesem, folglich wegen diesem" und ist, als Fehlschluss, so zu verstehen, dass bei einem zeitlichen Zusammentreffen zweier Ereignisse - unberechtigt - auch eine kausale Verbindung zwischen den Ereignissen unterstellt wird. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Kausalität ist der angenommene gesetzmäßige Zusammenhang zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen, von denen das eine, zeitlich frühere, die Ursache und das andere, zeitlich spätere, die Wirkung genannt wird. Nach dem Kausalitätsprinzip kann es keine Wirkung ohne Ursache geben.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass ein zeitliches Zusammenfallen von Ereignissen irrtümlich als ein Ursache-Wirkung-Phänomen angesehen wird - wobei sich dieser Irrtum durch eine genauere (oder überhaupt eine) Prüfung des Sachverhalts hätte feststellen lassen können. 

Die individuelle Homöopathie - ist sie das?

Die Homöopathie ist, so sagt man, eine sehr individuelle Therapie. Schon kleinste Unterschiede zwischen zwei Patienten können bewirken, dass sie unterschiedliche Mittel verabreicht bekommen, obwohl sie ansonsten die gleichen Beschwerden haben.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Ekzem auf der Haut - also eine stark juckende Stelle - und würden damit einen Homöopathen aufsuchen. Der Homöopath würde mit Ihnen eine Anamnese durchführen. Dabei käme zutage, dass Sie auch zu Depressionen neigen, gelegentlich Kopfschmerzen haben, eine leichte Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und im Sommer auch manchmal Asthmasymptome haben - offenbar reagieren Sie allergisch auf bestimmte Gräserpollen. Wenn Sie dann noch Angst vor dem Alleinsein haben, dann wäre Arsenicum album das Mittel für Sie. Hätten Sie genau die gleichen Symptome, alles, was eben aufgezählt wurde, nur das Alleinsein macht Ihnen nichts aus, dafür aber haben Sie Angst vor Einbrechern und Spiegeln, dann wäre Pulsatilla das Mittel der Wahl.

So feinfühlig werden Mittel verordnet, so genau wird die Homöopathie auf den gesamten Menschen angepasst. Da kann doch kein anderer Arzt mithalten, dieses Mittel ist genau das Richtige für Sie - nur für Sie.

Soweit die gute Nachricht.

Psora + Sykose + ererbte Sykose + Tuberkulinie + Lepröses Miasma+Syphilis + Akutes Miasma + Typhus + Ringwurm + Spiegelmiasma + Skrophulose + Egolyse + Miasmensplitting + Egotropie + primäre Psora + Überfunktion+Pseudopsora+Haltepunkt + Krätze + Carcinogenie

 

Der Begriff Miasma kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Befleckung" (oder "Verunreinigung").

In der klassischen Medizin, lange bevor man über Viren und andere Mikrooganismen als Krankheitserreger Bescheid wusste, verstand man darunter Ausdünstungen und üble Gerüche, die als Ursache für Krankheiten angesehen wurden. Diese Lehre gilt heute als überholt, sie hat aber durchaus zu richtigen Schlussfolgerungen geführt. Das Trockenlegen von Sümpfen, um den Gestank der Faulgase zu unterbinden, hat auch den Mücken als Krankheitserreger die Brutgebiete entzogen. Das Absondern der übel riechenden Pestkranken hat auch das Risiko der weiteren Ausbreitung gemindert.

Bei Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, hatte jedoch der Begriff des Miasmas eine ganz andere Bedeutung. Er verstand hierunter die tieferen Ursachen für chronische Krankheiten, die er mit seinem normalen Verfahren der Homöopathie nicht heilen konnte. Als Ursache für das Versagen nahm Hahnemann an, dass es tiefer sitzende Überbleibsel älterer nicht ausgeheilter 'Urübel' gab, eben die Miasmen, die sich nicht durch die äußere Symptomatik erkennen ließen. Diese hielt er sogar für vererbbar.

"Obwohl (...) heutigen Homöopathen der derzeitige wissenschaftliche Stand der Medizin bekannt ist, sprechen (sie) heute noch von "Miasmen", wenn (sie) bestimmte Phänomene meinen, die in der homöopathischen Praxis beobachtet werden. Homöopathen, die das Werkzeug "Miasmatik" in ihrem Werkzeugkasten haben, sehen, dass viele Beschwerden auf eine oder mehrere andere verborgene Ursachen zurückgeführt werden müssen." (Quelle)

Was stimmt an dieser Aussage der Homöopathie?

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