Zucker

Viele Menschen verstehen, dass Homöopathie nur auf Placebo-Effekten beruht. Aber sie stellen die Frage: Was macht das schon? So lange es dem Patienten besser geht, ist das doch egal. Das stimmt natürlich erst einmal. Doch ist es auch ehrlich? Zumindest die Therapeuten sollten doch wissen, ob sie wirkliche Medizin verschreiben oder eben nur Scheinmedikamente. Und ist es ethisch vertretbar, den Patienten darüber im Unklaren zu lassen? Dazu kommt: 

 

 

  • Placebo-Antworten maskieren untaugliche Heilverfahren.
    Es ist schwerer zu unterscheiden, ob eine spezifische Wirkung eines Verfahrens vorliegt, wenn Scheinmedikamente gegeben werden, die auch immer irgendeine Wirkung haben können. Das ist ja genau das Dilemma der Homöopathie.
  • Placebo-Antworten maskieren möglicherweise den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten.
    Erhält der Patient Scheinmedikamente und glaubt sich gut behandelt, so nimmt er möglicherwiese seine Beschwerden anders wahr. So kann es zu einer Verschlechterung kommen - obwohl sich Betroffene besser fühlen.
  • Placebo-Antworten sind kein bestellbares, quantitativ genau zu bestimmendes Phänomen; in welcher Größenordnung und ob sie überhaupt auftreten, ist im Einzelfall nicht zu ermessen.
  • Placebo-Effekte lassen sich nicht "gegen" eine bestimmte Erkrankung richten, sie können nicht gezielt eingesetzt werden.
  • Die Verordnung von Placebo-Arzneien als Regeltherapie verlangt die Täuschung des Patienten, da der Therapeut zur Maximierung der Placebo-Antwort natürlich nicht die pharmakologische Unwirksamkeit der Arznei, sondern vielmehr die Bedeutungen "des Mittels" in den Vordergrund des therapeutischen Gesprächs stellen wird.
  • Placebo-Gaben als Regeltherapie fördern die Medikamenten-Affinität, da davon auszugehen ist, dass selbst dann, wenn im Grunde keine Arzneien verabreicht werden müssten, der Patient trotzdem mit einer Medikamenten-Verordnung versehen wird. Dies halten wir vor allem bei Kindern für ein Problem (Stichwort "Globulisierung der Kinder". Ihnen wird suggeriert, dass es für alles ein Mittelchen gäbe - und bräuchte).
  • Placebo-Gaben, die nicht als solche ausgewiesen sind, führen den Patienten hinters Licht und sind (medizin)ethisch nicht korrekt.

Um Placebos sinnvoll nutzen zu können, muss den Verabreichern bewusst sein, dass es Placebos sind. Die meisten Homöopathen gehen allerdings davon aus, dass die Homöopathie eben nicht nur eine Placebowirkung hat. Homöopathie wird üblicherweise als grenzenloses Allheilmittel bis hin zu Krebs, Aids und Ebola angepriesen - und nicht einmal der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) distanziert sich von solchen Umtrieben, ganz im Gegenteil. Die regelmäßigen Jubelarien des DZVhÄ auf und die Unterstützung für das skandalöse Treiben der "Homöopathen ohne Grenzen" in Kriegs- und Krisenregionen, gibt dafür beredt Zeugnis. Viele weitere Homöopathen-Webseiten geben Auskunft darüber, dass sie sich die Heilung von allem zutrauen. Davor gilt es Patienten zu schützen - nicht vor dem Placebo-Effekt. 

 

(Autor: "excanwahn" und Dr. med. Natalie Grams)

Foto: Pixabay 549096 Humusak

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Suche

Mitmachen

Sie möchten uns unterstützen?
Hier haben Sie die Möglichkeit...

Mitmachen

Ärztliche Fortbildung

Homöopathie: Von der medizinischen Avantgarde zum wissenschaftlichen Anachronismus - Was Ärzte über die Homöopathie wissen sollten

Zum Programm Zur Anmeldung

Newsletter