Arzneimittel

"Wunderheilmittel gegen Krebs! Wunderheilmittel gegen Krebs! Leute, kauft mein Wunderheilmittel gegen Krebs! Soeben erfunden, Wirkmechanismus unklar, Wirknachweis nicht erbracht ..."

Zum Glück darf in unserer heutigen Medizin so etwas nicht mehr geschehen.
Bevor man ein neues Medikament (oder eine neue Therapie) auf den Markt bringen darf, muss erst mal akribisch zusammengestellt werden, wie ein solches Medikament theoretisch wirken könnte/soll. Dann müssen zig klinische Studien gemacht werden, in der eine solche postulierte Wirksamkeit überprüft wird. Und zwar - ganz wichtig - nicht einfach per se, sondern immer im Vergleich zu einem Placebo oder im Vergleich zu bereits etablierten Methoden/Medikamenten. Erst wenn sich hier eine wiederholbare Wirksamkeit nachweisen lässt, kann ein Medikament als solches zugelassen werden (der Prozess ist stark verkürzt wiedergegeben, mehr erfahren Sie bei Interesse hier). Diese gesamte Zulassung muss derjenige erbringen, der das Medikament auf den Markt bringen möchte. Wobei es nicht primär darum geht, es lediglich auf den Markt zu bringen, sondern damit auch Patienten Heilung zukommen zu lassen. Hier konkurrieren manchmal Wissenschaft und Wirtschaft miteinander, das soll jetzt aber kein Thema sein.

Wichtig ist: Es ist ja nicht Sache des Patienten, welcher das Medikament erst mal angepriesen oder gar verschrieben bekommt, sich nach dem Wirkmechanismus oder den Wirksamkeitsnachweisen zu erkundigen. Nein, eine Therapie muss vorher geprüft werden und zwar von dem, der sie durchführen möchte.

So ist es auch bei der Homöopathie. Mit dem Unterschied, dass die Homöopathie nicht neu auf dem Markt ist, sondern bereits seit etwa 200 Jahren. Sie hat sich also bereits etabliert und es sich in vielen Köpfen gemütlich gemacht mit dem Etikett "wirkt!". Jetzt kommen die "bösen" Kritiker daher und fordern die Homöopathie auf, sich gemäß der oben genannten, in der Medizin unverzichtbaren Prozesse, als tatsächlich wirksam und damit vertretbar zu erweisen.
Und was tut die Homöopathie? Sie sagt nicht etwa: "Au ja, genauso läuft es in der Medizin, zu der wir gehören möchten: Wir erklären also unsere Wirksamkeitsvorstellungen so, dass sie naturwissenschaftlich verstanden werden. Wir belegen unsere Wirksamkeit und lassen uns prüfen mit den Methoden der heutigen Zeit. Wir wollen, dass sich unsere Patienten sicher sein können, dass das, was wir ihnen anbieten, auch richtig ist und nicht nur ein Etikett bekommt (oder behält), das uns gefallen würde." Sie beruft sich stattdessen darauf, dass die Homöopathie den Patienten "gefällt"! Was ja keiner bestreitet, aber nicht gleichbedeutend mit "wirksam" ist.

Es wäre also an den Homöopathen, erst mal den Wirkmechanismus der Homöopathie so zu erklären, dass er innerhalb der geltenden Maßstäbe der Medizin und im Kontext des aktuellen Wissens verstanden wird. Daran scheitert die Homöopathie aber leider kläglich. Die Wirksamkeitsnachweise kommen über ein Placebo nicht überzeugend hinaus oder sind schlichtweg fehlerhaft.

So sieht es aus mit der Homöopathie. Sie kann diesen modernen Prozess der Prüfung leider nicht erfüllen. Das bedeutet aber, dass sie entweder peinlicherweise weiter marktschreierische Behauptungen aufstellt (ohne dazu berechtigt zu sein, oder diese belegen zu können), oder dass sie nicht mehr Teil der Medizin sein kann. 

 

(Autor: Dr. med. Natalie Grams)

 Foto: Fotolia 14833037 By-Studio

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