Bagatellverletzungen mit Schwellungen („Beulen“) werden häufig mit Arnika behandelt (z. B. bei kleinen Kindern, nachdem sie gestürzt sind und sich ein "blauer Fleck" bildet, manchmal auch schon prophylaktisch bei Sportlern). Der schnelle Rückgang der Schwellung wird für einen Beleg der arzneilichen Wirkung von Homöopathika gehalten.

Es sind zwei verschiedene Anwendungsarten zu unterscheiden:

1. Arnika als pflanzliches Arzneimittel, zumeist in Salbenform verabreicht. Die Menge der arzneilich wirkenden Stoffe ist ausreichend hoch bemessen, sodass eine Wirksamkeit der Pflanzeninhaltsstoffe durchaus nicht auszuschließen ist.

2. Arnika als Homöopathikum, zumeist in Form von Kügelchen („Globuli“) verabreicht. Die Menge der arzneilich wirkenden Stoffe ist durch den Verdünnungsvorgang bei der Potenzierung so weit reduziert, dass eine Wirksamkeit der pflanzlichen Inhaltsstoffe ausgeschlossen ist.

Aus Sicht der Homöopathie widersprechen sich beide Anwendungsarten. Das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie besagt, dass bei Kranken Arzneien angewendet werden, die bei Gesunden die Symptome der Krankheit hervorbringen. Wenn Homöopathen Arnika als Homöopathikum bei Schwellungen anwenden, dann gehen sie davon aus, dass Arnika in höherer Dosierung Schwellungen verursacht.

Das kann aber nicht sein, denn Arnika in höherer Dosierung wird ja nicht zur Verursachung, sondern zur Behandlung von Schwellungen eingesetzt. Wenn Arnika in höherer Dosierung Schwellungen reduziert, dann kann es bei dieser Indikation nicht als Homöopathikum eingesetzt werden. Sollte Arnika als Homöopathikum gegen Schwellungen wirksam sein, so dürfte es nicht in höherer Dosierung gegen Schwellungen eingesetzt werden, denn Arnika würde in diesem Fall ja zu einer Zunahme der Schwellung führen.

Beide Anwendungsarten schließen sich gegenseitig aus. Arnika kann kein Homöopathikum sein, wenn es als „Allopathikum“ (ein Begriff, der von Samuel Hahnemann zur Herabwürdigung der Medizin benutzt wurde) eingesetzt wird.

In Fallberichten wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich Schwellungen unter einer Therapie mit Arnikakügelchen schneller zurückbilden als ohne die Behandlung mit Arnikakügelchen.

Zu diesem Argument ist zu sagen, dass ein Vergleich zwischen beiden Versionen – Schwellung mit Arnikakügelchen im Vergleich zu Schwellung ohne Arnikakügelchen – ohne große Fallzahlen (Studien) nicht möglich ist: Ein Patient kann nicht bei ein und derselben Schwellung mit und zugleich ohne Arnika behandelt werden. Die Rückbildungszeit ist normalerweise auch nur eine geschätzte Größe: Üblicherweise wird die Zeit nicht mit einer Stoppuhr bestimmt. Die Behauptung, Schwellungen würden sich langsamer zurückbilden, wenn man kein Arnika nimmt, ist nicht mehr als eine Vermutung. In chirurgischen Ambulanzen beobachtet man regelmäßig, dass Schwellungen überhaupt schnell zurückgehen und dass es keine Unterschiede gibt zwischen den Patienten gibt – unabhängig davon, ob Arnikakügelchen verabreicht wurden oder nicht.

Was passiert medizinisch bei einer Bagatellverletzung? In der ersten Phase werden im Gewebe Substanzen freigesetzt, die zu einer Schwellung führen. Auch Blutgefäße können verletzt sein, sodass Blut austritt („Bluterguss“, „Hämatom“). Aber bereits nach kurzer Zeit werden andere Substanzen (z. B. „Histamin“) freigesetzt, die zu einer Gefäßerweiterung führen. Über die weiter gestellten Gefäße wird dann mehr Flüssigkeit in kürzerer Zeit abtransportiert und die Schwellung nimmt wieder ab.

Fazit: Arnika als Homöopathikum bei Bagatellverletzungen ist unwirksam.

1. Das Ähnlichkeitsprinzip – eine der wesentlichen Fundamente der Homöopathie – kann nicht wirksam sein, da Arnika in höherer Dosierung nicht zum Erzeugen von Schwellungen verwendet wird, sondern zur Behandlung.

2. Die exorbitante Verdünnung beim Potenzieren bringt alle zur Behandlung notwendigen Inhaltsstoffe zum Verschwinden: In den Globuli sind keine wirksamen Substanzen vorhanden.

3. Vergleiche zwischen Behandlungen „mit“ und „ohne“ Arnikakügelchen können am gleichen Patienten nicht durchgeführt werden. Man kann also nicht feststellen, ob die Schwellung mit Arnikakügelchen im Vergleich zur Schwellung ohne Arnikakügelchen weniger wurde: Ein Patient kann nicht bei ein und derselben Schwellung mit und zugleich ohne Arnika behandelt werden. Hierbei ist wichtig, dass es ein und dieselbe Schwellung ist - sonst kann kein Vergleich gezogen werden. 

4. Die hohe Rückbildungsgeschwindigkeit von Schwellungen unter der Behandlung mit Arnikakügelchen ist nur eine geschätzte Größe, die zudem sehr stark abhängig ist von Wunschvorstellungen und selektiver Wahrnehmung.

Dass sich Schwellungen auch ohne eine Behandlung mit Arnikakügelchen schnell zurückbilden, ist oftmals nicht bekannt, aber medizinisch sehr gut erklärbar. Vertrauen Sie darauf. 

 

Autor: Dr. med Wolfgang Vahle

Bild: Udo Endruscheit

 

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