Immer wieder werden wir nach Informationsmaterial zu unseren Themen gefragt. Wir freuen uns deshalb, hier den neuen Infoflyer des Informationsnetzwerks Homöopathie zum Download bereitstellen zu können. Der Flyer ist für Arztpraxen gedacht, die darüber informieren möchten, warum bei ihnen keine Homöopathie angeboten wird. Adressat des Inhalts ist aber letztlich jedermann als Patientin oder Patient, deshalb laden wir Sie herzlich ein, auf diesem Weg vom Infoangebot des Flyers Gebrauch zu machen.
Der Flyer steht im Downloadbereich von "Susannchens kleinem Shop" zur Verfügung. Sie können die Downloadseite direkt über diesen Link erreichen. 

Sie sind Praxisinhaber oder haben sonst die Möglichkeit und das Interesse, Druckexemplare des Flyers zu verbreiten? Bei der Geschäftsstelle der GWUP können Sie über das dortige Kontaktformular unter https://www.gwup.org/kontakt Ihre Bestellung aufgeben. Der Bezug ist kostenlos, bei größeren Mengen ist eine Spende an die GWUP (der beim Verwendungszweck auch das Kennwort „INH“ hinzugefügt werden darf) gern willkommen – kleinere Mengen sind aber auch kein Hindernis dafür:

Sie haben die Möglichkeit, in einem Online- oder Printorgan den Flyer und seine Bezugsquellen bekannt zu machen? Sehr gern, wir freuen uns! Über eine kurze Information dazu unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wären wir dankbar.

Ihr
Informationsnetzwerk Homöopathie



Vor kurzem erreichte das INH eine Mail, die wir mit freundlichem Einverständnis des Einsenders hier wiedergeben dürfen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für ihre sehr aufschlussreiche Seite. Sie hat mich davor bewahrt, meinen kürzlich festgestellten Hirntumor versuchsweise mit Homöopathie zu behandeln. Beim Gespräch mit meiner bisherigen Homöopathin ist mir aufgefallen, dass von Homöopathen auch gerne noch das Argument der tollen indischen Homöopathen angeführt wird und wie beliebt die Homöopathie in Indien sei. Warum ist sie dort eigentlich so verbreitet? Weil die medizinische Versorgung dort wahrscheinlich generell sehr schlecht ist? Vielen Dank für ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen


Selbstverständlich haben wir dem Einsender auch geantwortet:

Sehr geehrter Herr ... ,

es freut uns außerordentlich, wenn unsere Seiten Ihnen geholfen haben, eine falsche und möglicherweise mit negativen Folgen verbundene Entscheidung zu vermeiden.

Dürfen wir Ihre Zuschrift - natürlich anonymisiert - auf unserer Webseite veröffentlichen? Da wir ja völlig unentgeltlich arbeiten, wäre ein solcher Erfolg mit die größte Anerkennung unserer Arbeit, die wir erhalten können.

Zu Ihrer Frage:
Über die Situation in Indien sind wir nur sehr indirekt informiert, quasi nur aus den öffentlich zugänglichen  Quellen ohne eigene Insider-Erfahrungen.

Große Teile der indischen Bevölkerung sind bettelarm, da hat die Homöopathie schon den Vorteil für wenig Geld eine Behandlung anzubieten, die zumindest über Placebo-Effekte auch einen Nutzen bringt. Insofern ist die Situation anders als hierzulande: Hier ist die vom öffentlichen Gesundheitswesen angebotene evidenzbasierte konventionelle Medizin die Alternative der Wahl. Dort ist es für die arme Bevölkerung schlicht und einfach Nichts. Insofern muss man die Situation dort meiner Meinung nach ein wenig anders bewerten.

Hinzu kommt, dass in Indien die Spiritualität wesentlich stärker verbreitet ist, so dass eine auf Glauben und Vertrauen auf eine Heilkraft angelegte Therapie wahrscheinlich wesentlich größere Berge versetzen kann als bei uns.

Zur Historie:
Ich denke, eine große Rolle bei der Ausbreitung der Homöopathie in Indien zu Ende des 19. Jahrhunderts hat gespielt, dass die Homöopathie aus Deutschland kam - und nicht von der verhassten Kolonialmacht England. Gerade als Deutschland im ersten Weltkrieg Kriegsgegner Englands wurde, dürfte das die Ausbreitung beflügelt haben, ebenso der günstige Preis sowie die einfache Herstell- und Handhabbarkeit. Ich kann aber hierfür jetzt keine belastbaren Quellen angeben.

Wenn Sie sich genauer damit befassen möchten, dann kann ich Ihnen diese Ausarbeitung empfehlen. (http://www.igm-bosch.de/content/language1/downloads/s-2008-1044071.pdf) Sie ist insofern bemerkenswert, da die Robert-Bosch-Stiftung der Homöopathie durchaus nahesteht - hier aber dennoch ein eher pessimistisches Bild der Situation zeichnet.

Mit den besten Wünschen für Ihre weitere Gesundheit
viele Grüße

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Norbert Aust

 

Welcher Erfolg könnte größer sein, als einen Patienten vom Verzicht auf eine geplante homöopathische Behandlung überzeugt zu haben, zumal bei einer nichttrivialen Erkrankung? Wir hoffen sehr, dass noch mehr Patientinnen und Patienten ähnlich entschieden haben und entscheiden werden (auch ohne dass wir davon erfahren). Dies motiviert uns zusätzlich, unsere Aufklärungsarbeit fortzusetzen. 

Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung spricht uns in der Vertreterversammlung vom 22.09.2017 aus dem Herzen - in vielerlei Hinsicht:


"Für die Zeit nach der Wahl erhoffe ich mir im Übrigen auch eine Überarbeitung des Heilpraktikergesetzes. Es ist einfach absurd, welcher Wildwuchs hier nonchalant toleriert wird, der – machen wir uns nichts vor – nicht selten eine reale Patientengefährdung darstellt. Für uns Vertragsärzte gelten höchste Qualitätsstandards und eine kontinuierliche Fortbildungsverpflichtung – und ein Heilpraktiker kann seine Heilstätte aufmachen, wo er will, und auch noch die Preise selbst bestimmen? Wenn ich an das LSG-Urteil zur Mischpreisbildung denke und an die Regressgefahr, in der sich unsere Kollegen ständig befinden, kommt mir bei dem Thema die Galle hoch. Mal ganz abgesehen von der Frage nach der Haftung, die uns Ärzte ständig mit einem Bein im Gefängnis bzw. im finanziellen Ruin stehen lassen.

Ich habe für meine Aussage zur Homöopathie nach der VV im Mai sehr viel Zuspruch, aber auch Kritik geerntet. Deswegen möchte ich hier noch einmal klarstellen: Ich habe nichts gegen eine ärztliche Komplementärbehandlung dieser Art. Wir haben viele Kollegen, die sie mit Augenmaß und Abstimmung mit ihren Patienten mit durchaus guten Erfahrungen anwenden. Dennoch spreche ich mich gegen die Erstattung solcher Angebote durch die gesetzliche Krankenversicherung aus. Jedes neue Medikament muss einen aufwendigen Prozess im G-BA durchlaufen, ehe es von uns verordnet werden kann – und selbst dann können wir finanziell haftbar gemacht werden. Aber für die neuesten Kügelchen, für die keine standardisierte Nutzenbewertung gilt, blättert so manche Kasse ohne mit der Wimper zu zucken Hunderte von Euros hin? Es tut mir leid, aber hier hört für mich der Spaß auf. Solange in Deutschland 15 bis 20 Prozent der erbrachten ärztlichen Leistungen nicht bezahlt werden, ist das nicht akzeptabel."

Quelle: http://www.kbv.de/html/31160.php

 

Der Wissenschaftliche Beirat der Europäischen Akademien (EASAC) ist eine der höchstrangigen wissenschaftlichen Gemeinschaften Europas, die 29 nationale und internationale wissenschaftliche Akademien in Europa vertritt (darunter die Royal Society des Vereinigten Königreichs und die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften). Eines ihrer Ziele ist es, Einfluss auf Politik und Regulierung in der gesamten Europäischen Union im Hinblick auf wissenschaftliche Fundierung von Entscheidungen und Regelungen zu nehmen. Die EASAC hat ein wichtiges und lang erwartetes Urteil zur Homöopathie gefällt.

Die Zusammenfassung der Stellungnahme der EASAC geben wir nachfolgend in deutscher Übersetzung wieder (vollständiger Text hier):

 

Homöopathische Produkte und Methoden: Bewertung der Beweise und Sicherstellung der Konsistenz zur Regelung medizinischer Anwendungen in der EU

Die EASAC veröffentlicht diese Erklärung, um auf den jüngsten Arbeiten ihrer Mitgliedsakademien aufzubauen und die Kritik an den gesundheitspolitischen und wissenschaftlichen Behauptungen für homöopathische Produkte zu untermauern. Analysen und Schlussfolgerungen basieren auf den exzellenten wissenschaftlich fundierten Bewertungen, die bereits von maßgeblichen und unparteiischen Stellen veröffentlicht wurden. Die grundlegende Bedeutung, die der Möglichkeit von Verbrauchern zukommt, eine Wahl zu treffen, setzt zur Unterstützung einer solchen Wahlmöglichkeit voraus, dass die Verbraucher und Patienten mit evidenzbasierten, genauen und klaren Informationen versorgt werden. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, einen einheitlichen, wissensbasierten Rechtsrahmen für die Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität von Produkten sowie für saubere Werbepraktiken in der gesamten Europäischen Union (EU) einzuführen.

In unserer Stellungnahme untersuchen wir folgende Punkte:

Wissenschaftliche Wirkmechanismen - wo wir zu dem Schluss kommen, dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel und mit etablierten wissenschaftlichen Konzepten unvereinbar sind.

Klinische Wirksamkeit - Wir erkennen an, dass ein Placebo-Effekt bei einzelnen Patienten auftreten kann, aber wir stimmen mit früheren umfangreichen Evaluierungen überein, die zu dem Schluss kommen, dass es keine bekannten Krankheiten gibt, für die es robuste, reproduzierbare Beweise gibt, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirksam ist.

Es gibt damit zusammenhängende Bedenken im Hinblick auf Einverständniserklärungen der Patienten und zur Sicherheit, wobei letztere mit mangelnder Qualitätskontrolle bei der Herstellung homöopathischer Arzneimittel verbunden sind.

Förderung der Homöopathie - Wir stellen fest, dass diese dem Patienten erheblichen Schaden zufügen kann, wenn es zu Verzögerungen bei der Suche nach evidenzbasierter medizinischer Versorgung kommt, und dass generell die Gefahr besteht, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Art und den Wert wissenschaftlicher Beweise untergraben wird.

Veterinärmedizinische Praxis - Wir schließen ebenso, dass es keine belastbaren Beweise gibt, die den Einsatz von Homöopathie in der Veterinärmedizin rechtfertigen. Zudem ist es besonders besorgniserregend, wenn solche Produkte vorrangig vor evidenzbasierten Arzneimitteln zur Behandlung von Tierseuchen eingesetzt werden.

Wir geben die folgenden Empfehlungen ab.

  1. Es sollten einheitliche behördliche Vorschriften für den Nachweis der Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität aller Produkte für die Human- und Veterinärmedizin bestehen, die auf nachprüfbaren und objektiven Beweisen beruhen und der Art der geltend gemachten Behauptungen entsprechen. Ohne diese Beweise sollte ein Produkt von den nationalen Regulierungsbehörden weder zugelassen werden noch registrierungsfähig sein.
  1. Evidenzbasierte öffentliche Gesundheitssysteme sollten homöopathische Produkte und Praktiken nur dann erstatten, wenn sie nachweislich wirksam und sicher sind.
  1. Die Zusammensetzung der homöopathischen Mittel sollte auf ähnliche Weise wie bei anderen verfügbaren Gesundheitsprodukten gekennzeichnet werden, d. h. es sollte eine genaue, klare und einfache Beschreibung der Inhaltsstoffe und ihrer in der Zubereitung enthaltenen Mengen vorhanden sein.
  1. Werbung und Vermarktung homöopathischer Produkte und Dienstleistungen müssen den etablierten Standards von Genauigkeit und Klarheit entsprechen. Werbebezogene Ansprüche auf Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität dürfen nicht ohne nachweisbare und reproduzierbare Nachweise geltend gemacht werden.

Zitat Ende.

Aus unserer Sicht erübrigt sich dazu jeder weitere Kommentar.


Übersetzung: Udo Endruscheit

Bild: EASAC

Die Tochterzeitschrift "Gehirn und Geist" des Wissenschaftsmagazins "Spektrum der Wissenschaft" lässt in ihrer Oktober-Ausgabe ein großes Special über Homöopathie erscheinen, für das Natalie Grams und Nikil Mukerij verantwortlich zeichnen. Der Leitartikel, der sich mit Grundirrtümern und Denkfehlern der Befürworter der Homöopathie befasst, ist kostenlos online zugänglich

In der Heftausgabe gibt es dazu ein Interview mit Natalie Grams, unter anderem zu den Gefahren der Homöopathie. Zudem wird die Rolle des Placeboeffekts für die "Heilerfolge" der Homöopathie -und anderer pseudomedizinischer Methoden- näher beleuchtet. 

 

 

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