Homöopathie in England verbannt

Der National Health Service (NHS), der Träger des Gesundheitssystems in Großbritannien, hat in neuen Leitlinien Ärzten und Kliniken dringend nahegelegt, keine Homöopathika (und 17 weiteren Mittel, durchweg pflanzliche Remedien) mehr zu verordnen. Der Schritt erfolgte wegen "geringer klinischer Wirksamkeit" und/oder "geringer Kosteneffizienz". Dies ist zwar noch keine "Abschaffung" der Homöopathie im britischen Gesundheitssystem (dies könnte nur das Gesundheitsministerium über eine "Blacklist"-Regelung), aber der NHS wird solche Verordnungen zweifellos nicht länger einfach akzeptieren. Ein ebenso konsequenter wie überfälliger Schritt. Der "Guardian" und der "Telegraph" berichten.

Die Good Thinking Society, die Vereinigung der englischen Skeptiker, begrüßte diesen Schritt des NHS nachdrücklich: "Das ist eine sehr willkommene Nachricht. Jede glaubwürdige medizinische Institution ist sich sicher, dass homöopathische Heilmittel schlicht und einfach keinerlei Wirksamkeit haben, unter keinen Umständen - und es ist toll, dass diese klare und starke Aussage vom NHS offiziell als Tatsache anerkannt wird."

Natürlich spielt auch der wirtschaftliche und finanzielle Druck auf den NHS hier eine Rolle. Das schmälert die Bedeutung dieses Schrittes aber in keiner Weise. Wir hoffen, dass es hier bei uns nicht erst zu einer solchen Drucksituation kommen muss, bis erkannt wird, dass im öffentlichen Gesundheitssystem kein Platz für unwirksame Mittel und Methoden ist, nicht nur und im Grunde nicht einmal vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen.

Schon 2009 kam das Science and Technology Committee des House of Commons (englisches Unterhaus) in seinem "Evidence Check 2: Homeopathy" zu dem Ergebnis: "Homeopathy should not be funded on the NHS and the MHRA should stop licensing homeopathic products.... We conclude that the Government’s policies on the provision of homeopathy through the NHS and licensing of homeopathic products are not evidence-based."

Hieraus wurden nun die Konsequenzen gezogen. Kernaussage des NHS: "Homöopathie ist im besten Falle Placebo". Dem können wir uns nur anschließen.


Nachtrag, 05.06.2018:

Die British Homeopathic Society, die Dachorganisation der Homöopathen im Vereinigten Königreich, hatte gegen die Richtlinien des NHS eine Klage angestrengt (der übrigens seitens der offenbar notleidenden Homöopathen ein Fundraising voraufgegangen war, das eine fünfstellige Summe zur Unterstützung der "legal challenge" erbrachte). Heute berichtet die britische Skeptikerorganisation Good Thinking Society, dass die Klage vor Gericht in sämtlichen Punkten abgewiesen worden ist. 

Die Good Thinking Society rechnet damit, dass es nun auch als letztem Schritt zu einem "Blacklisting" der Homöopathie und damit zu ihrer endgültigen Verbannung aus dem öffentlichen Gesundheitssystem kommt. 

 

Bildnachweis: Fotolia_62171586_S

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