Wir blicken zurück: Was für ein Jahr! Wir haben mit vielen Projekten, Aktionen, Artikeln, eigenen Flyern und Initiativen - und unglaublich viel Resonanz in den Medien - dafür gesorgt, dass die Homöopathie ins Wanken gerät. Nachdem sie über Jahrzehnte (oder sollten wir Jahrhunderte sagen?) hinweg zwar durchaus gewichtiger Einzelkritik ausgesetzt war, ist mit dem INH und all seinen Unterstützern nun erstmals eine regelrechte kritische Gegenbewegung aktiv geworden, die sich auch von Anfeindungen und Einschüchterungsversuchen seitens der homöopathischen Lobby nicht beirren lässt. Es ist eine kritische Grundstimmung zur Homöopathie entstanden, die auch entsprechende Wortmeldungen aus Politik, Institutionen des Gesundheitswesens und anderen Gremien hervorbrachte. Aus politischen Parteien und von Ärzteverbänden gab es Initiativen, die rechtliche Sonderstellung von Homöopathie abzuschaffen oder zumindest zu beschränken.

International ist 2017 einmal mehr einiges in Bewegung geraten: Das European Academies Science Advisory Council (EASAC), der Zusammenschluss von 29 nationalen Akademien der Wissenschaften, spricht sich ausdrücklich gegen Homöopathie aus, die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC verlangt die eindeutige Kennzeichnung von Homöopathika mit einem Hinweis auf fehlenden Wirkungsnachweis, die Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA kündigt strenge Regularien für nicht von ihr zugelassene homöopathische Mittel an, das britische Gesundheitssystem übernimmt keine Kosten mehr für diese Mittel.

Wir sind uns sicher, dass die Homöopathie Menschen an Falsches glauben lässt, zu schlechter Medizin führt und deshalb keine Zukunft haben darf. Wir übersehen dabei nicht, dass auch die wissenschaftsbasierte Medizin wie jedes menschengemachte System nicht fehlerfrei ist und Schwächen hat. Uns geht es in jeder Hinsicht um das Wohl von Patienten - und um Ehrlichkeit.

Zu den Fortschritten im Jahre 2017 haben viele Menschen mit ihrem Mut, ihrer Expertise, ihrem Wissen, ihrem unermüdlichen Einsatz und privatem, ehrenamtlichen Engagement, viele auch mit ihrem Interesse am Thema und dem Zuspruch zu unseren Veröffentlichungen und Aktionen, das ganze Jahr hindurch beigetragen. Ihnen allen danken wir zum Jahresende ganz, ganz herzlich!

Wir wünschen Ihnen nun fröhliche Weihnachten und einen geruhsamen Jahreswechsel! Wir freuen uns auf ein erfolgreiches Jahr 2018, für das wir uns viel vorgenommen haben - und wofür wir uns auch in Zukunft Ihr Interesse und Ihre Unterstützung erhoffen.

Danke!
Ihr INH-Team

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Mit der Food and Drug Administration der Vereinigten Staaten (FDA), die sich bislang vorrangig mit den in den USA nicht durchgängig sicheren Herstellungsverfahren von Homöopathika beschäftigt hatte (wir berichteten), tritt nun eine weitere staatliche Aufsichtsbehörde mit der klaren Position hervor, dass Homöopathika über keinen wissenschaftlichen Nachweis einer spezifischen Wirksamkeit verfügen und damit potenziell eine Gefährdung darstellen. Die FDA kündigt neue Regulierungen an, die sich in erster Linie auf Homöopathika beziehen sollen, die „potenziell gefährliche Stoffe“ enthalten und -was letztlich bedeutungsvoller ist-  auf „Produkte, die zur Verhütung oder Behandlung schwerer und/oder lebensbedrohlicher Krankheiten und Zustände bestimmt sind und Produkte für gefährdete Bevölkerungsgruppen“. Die FDA lässt in ihrer Pressemitteilung keinen Zweifel daran, dass sie die Wirksamkeit von Homöopathika für unbelegt und ihre gesundheitsbezogene Bewerbung für unvertretbar hält (auszugsweises Zitat):

"Bis vor relativ kurzer Zeit war die Homöopathie ein kleiner Markt für Spezialprodukte. Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist der Markt für homöopathische Arzneimittel exponentiell gewachsen. Dies hat eine Industrie mit einem Volumen von fast 3 Milliarden US-Dollar hervorgebracht, was entsprechend mehr Patienten den potenziellen Risiken aussetzt, die mit der Verbreitung von unbelegten, nicht getesteten Produkten und unbegründeten gesundheitsbezogenen Angaben verbunden sind.  [...]

Der Leitlinienentwurf ist ein wichtiger Schritt in der Arbeit der Agentur zum Schutz der Patienten vor unbewiesenen und potenziell gefährlichen Produkten. […]"

Damit reiht sich die FDA in die immer länger werdende Liste der internationalen Gesundheitsbehörden und wissenschaftlichen Boards ein, die ein abschließendes Urteil über die Homöopathie fällen – aus guten, belegten Gründen. Wir freuen uns, die Arbeit des INH hierdurch bestätigt zu sehen, fragen uns aber mit zunehmender Dringlichkeit, wann endlich all dies Konsequenzen für das deutsche Gesundheitswesen zeigen wird. Will Deutschland in eine unsplendid isolation geraten?

 

 

Text und Übersetzung: Udo Endruscheit
Bildnachweis: Food and Drug Administration

Das noch im gestrigen WELT-Interview (heute, 8.12.2017, auch in der Printausgabe) von Dr. Christian Lübbers erwähnte geplante Gespräch von Vertretern des INH mit einer großen deutschen Krankenkasse wurde jedoch von dieser -nach langem Vorlauf- ohne nachvollziehbare Begründung abgesagt. Das INH veröffentlicht dazu die folgende Presseerklärung (hier als PDF zum Download): 

  

INH Logo 400 px 72 dpi

 

 

Pressemitteilung

 Krankenkasse will nicht mehr mit Kritikern über Homöopathie diskutieren

Völlig überraschend und kurzfristig hat eine der größten deutschen Krankenkassen ein bereits vor Wochen mit dem Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) vereinbartes Treffen über die Zukunft der Homöopathie-Erstattung durch die Krankenkassen abgesagt.

Dr. Christian Lübbers, der den Dialog initiierte, sagt dazu: „Geplant war ein dreistündiges Gespräch mit der hohen Verwaltungsebene. Ein konstruktiver Meinungsaustausch sollte Pro und Contra der freiwilligen Homöopathie-Erstattung durch die Krankenkassen aufzeigen. Ein gemeinsames Abschlussstatement sollte den ethischen und moralischen Konsens fixieren und die Basis für weitere Schritte festhalten.“

Das INH bedauert, dass mit der Absage ein erster Schritt hin zu einer offenen Diskussion über Patientenerwartungen und Patientennutzen vertan ist. Die Resonanz der in den sozialen Medien u.a. auf Twitter unter dem Hashtag #KrankenkasseOhneHomöopathie angestoßenen Umfragen zeigt deutlich, dass der Wunsch nach Kostenübernahme für Homöopathie durchaus nicht so umfassend verbreitet ist, wie dies von Interessenvertretern der Homöopathie artikuliert wird. Im Gegenteil zeigte sich sogar, dass viele Patienten gern zu einer Krankenkasse ohne Homöopathie-Erstattung wechseln würden. Ein Überdenken der gegenwärtigen Situation erscheint daher gerechtfertigt insbesondere im Hinblick darauf, dass Homöopathie-Patienten entgegen den Erwartungen höhere Kosten verursachen.

Unverantwortlicher Umgang mit Versichertengeldern      

Krankenkassen in Deutschland übernehmen in zunehmendem Umfang die Kosten für Homöopathie und Homöopathika (z.B. Globuli) und werben oftmals auf ihren Webseiten und Veröffentlichungen aktiv für deren Anwendung. Dabei unterstellen sie – gegen die Beleglage - einen therapeutischen Nutzen. Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat dies in vielfältiger Weise kritisiert, da hierin ein unverantwortlicher Umgang mit dem Geld der Versicherten zu sehen ist. Einerseits werden Therapien bezahlt, für die bislang kein therapeutischer Nutzen nachgewiesen werden konnte, andererseits steigen die Beiträge der Pflichtversicherten weiter und durchaus sinnvolle Maßnahmen müssen selbst bezahlt werden.

Dr. Natalie Grams, die Leiterin des INH, erklärt: „Die Erstattung von Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassen verschafft dieser Scheintherapie öffentliche Glaubwürdigkeit und soziale Reputation! Dagegen trete ich – gerade als ehemalige Homöopathin – entschieden ein. Wir wollen eine Krankenkasse ohne Homöopathie, weil sonst Gelder des Solidarsystems für nachweislich Unwirksames ausgegeben werden. Auch wenn der Betrag nicht die Welt ist - auch dieses Geld wäre anderswo sinnvoller angelegt.“

Der geplante Termin wurde nun von der Krankenkasse abgesagt, ohne dass hierfür nachvollziehbare Gründe genannt worden wären. Dr. Norbert Aust, der Initiator des INH, fasst zusammen: „Wir bedauern die Absage außerordentlich, denn die von vielen Seiten zum Teil sehr emotional geführte Diskussion um die Homöopathie hätte davon profitieren können, wenn einzelne Parteien sich zu einem konstruktiven Gespräch hätten finden können. Insofern möchten wir die Hoffnung ausdrücken, dass es vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt nach kasseninterner Klärung der Positionen doch noch zu einem Gespräch kommen könnte. Wir stehen hierfür jederzeit zur Verfügung, werden sonst aber auch andere Wege finden, um unserer Position Nachdruck zu verleihen.“

Informationsnetzwerk Homöopathie, 06.12.2017

Dr. med. Natalie Grams

Dr. med. Christian Lübbers

Dr.-Ing. Norbert Aust

 

Ansprechpartner für Rückfragen: Dr. Christian Lübbers, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Heute (7. Dezember 2017) erscheint in der WELT ein Interview mit Dr. Christian Lübbers unter der Überschrift „Wenn Ärzte Globuli geben, entsteht Pseudosicherheit“ (in der Printausgabe morgen, 8. Dezember). Leider online hinter einer Paywall (die per Tagesticket "überwunden" werden kann). Dr. Lübbers verdeutlicht darin, was denn so kritikwürdig an der Erstattungspraxis der Krankenkassen für die Pseudomedizin Homöopathie ist.

Dr. Lübbers konstatiert, dass sich trotz intensiver Diskussion des Themas und recht großer Medienpräsenz im ablaufenden Jahr, nicht zuletzt dank seiner Anstöße auf Twitter, sich gleichwohl nichts bewegt hat. Was umso befremdlicher sei, als dass die Wissenschaftscommunities weltweit, zuletzt der EASAC, das höchste Wissenschaftsgremium der EU, die Homöopathie geschlossen als unwirksame Scheintherapie brandmarken.

Interessant sind seine Ausführungen zur Problematik der Verwendung von Homöopathie gerade durch Ärzte. Zitat:

"Wenn Eltern auf dem Spielplatz einander Globuli für die Kinder empfehlen, ist das meist harmlos. Wenn die Kügelchen nicht wirken, werden die Eltern schnell skeptisch und bringen das Kind doch zu einem Arzt, der wirksame Medizin verschreibt oder weitere Diagnostik durchführt. Aber wenn ein Arzt die Globuli gegeben hat, etwa bei Vorliegen einer beginnenden Mittelohrentzündung, die sich dann aber im Verlauf deutlich verschlechtert, warten die Eltern womöglich zu lange ab. Nach dem Motto „Der Arzt wird schon wissen, was er tut“. Solch ein Verlauf endete erst im Mai in Italien für einen siebenjährigen Jungen tödlich."

Zudem geht es im Interview um die Diskrepanz zwischen der oft nicht nachvollziehbaren Erstattungspraxis für evidenzgesicherte Medizin angesichts der kritiklosen Erstattung von Homöopathieleistungen, was -wie wir finden- eigentlich jeden mitdenkenden und solidarisch eingestellten Versicherten der GKV auf den Plan rufen müsste. 

Auch das angekündigte Gespräch von Dr. Lübbers zusammen mit Natalie Grams bei einer großen Krankenkasse findet Erwähnung - warten wir es ab!

Leseempfehlung!

 

Kleiner Nachtrag:
Das Bild zum Beitrag bei der WELT zeigt ein Globulifläschchen mit der Aufschrift "Agrimony" - Bach-Globuli mit der Unterschrift "Homöopathische Globuli". Geradezu symptomatisch für die allgemeine Unkenntnis pseudomedizinischer "Pharmazie" - das ist ein Bachblüten-Präparat, damit alles andere als Homöopathie. Zum Prinzip der Bachblüten findet sich auf unseren Seiten eine Erklärung hier. Das Bach-Präparat Agrimony (Odermennig) wird eingesetzt "für den Weg von der Scheinharmonie … … zum inneren Frieden. Seelische Negativhaltung. Man versucht, quälende Gedanken und innere Unruhe hinter einer Fassade von Fröhlichkeit und Sorglosigkeit zu verbergen." Wäre das nicht was für unsere Krankenkassenmanager? Aber Homöopathie ist es nicht, und Bach-Globuli sind eine Darreichungsform, die Edward Bach nicht kannte.

 

Text: Udo Endruscheit
Bild: Dr. Christian Lübbers via WELT

Auf dem Portal Krebs-Rat-Hilfe ist ein Artikel zu "Homöopathie in der Onkologie", verfasst von Dr. med. Natalie Grams, Dr. Ing. Norbert Aust und Dr. med. Wolfgang Vahle vom INH, erschienen.
Sogenannte "alternative Krebstherapien", unter denen die Homöopathie eine der verbreitetsten ist, gehören zu den gefährlichsten und unethischsten "Angeboten" der pseudomedizinischen Szene. Der Artikel bei Krebs-Rat-Hilfe befasst sich wissenschaftlich fundiert mit diesem wichtigen Thema, ist aber für jedermann gut lesbar. Wir empfehlen ihn sehr Ihrer Aufmerksamkeit.

 

 

Bildnachweis: Fotolia_54048950_XS

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