Naturheilkunde und Homöopathie

Die anhaltende Diskussion über eine deutschsprachige Kennzeichnungspflicht und eine möglicherweise daraus folgende Aufhebung des Apothekenmonopols für Homöopathika hat eine Vielzahl mehr oder weniger unsinniger Nebenaspekte einmal mehr ans Licht gebracht. Einer davon ist die ständige Gleichsetzung der Homöopathie mit Naturheilkunde, insbesondere Phytotherapie. Die Absicht ist klar: Es geht darum, das Image und den faktischen „Schutzraum“ des Begriffs Natur- und Pflanzenheilkunde auch für die Homöopathie zu reklamieren.

Dies allein ist schon Grund genug, dieser falschen Gleichsetzung deutlich zu widersprechen. Verwundern kann die weite Verbreitung dieser Fehlbeurteilung nicht, denn die Werbung für homöopathische Präparate setzt alles daran, das Image von „sanft und natürlich“ visuell massiv zu unterstützen. Schon bei einer Google-Bildersuche zum Begriff „Homöopathie“ wird klar, was gemeint ist. Schließlich ist der Aufschwung der Homöopathie in Deutschland seit den 1970er Jahren ja auch der Lobbyarbeit von Frau Dr. Veronika Carstens zu verdanken, die ganz gezielt das Image der „bunten Blümchenwiese“ um die Homöopathie herum aufbaute.

Ein bezeichnendes Licht auf die Pflege dieses Images wirft ein Vorgang, den wir zwar nicht  überbewerten wollen, der aber  deutlich den Aufklärungsbedarf zur Homöopathie belegt.

Die Dr. Willmar Schwabe / Deutsche Homöopathie-Union (DHU), die weltweite Marktführerin in Sachen homöopathische Mittel, unterhält im Karlsruher Raum einen nach allen denkbaren biologisch-ökologischen Gesichtspunkten bewirtschafteten Pflanzen- und Kräutergarten unter dem Namen „Terra Medica“.  Die „Kraichgau News“ berichteten:

„Stutensee-Staffort. Staatsminister a.D. … und FDP-Bundestagskandidat … besuchten Ende Juli 2017 die Freilandfläche „Terra Medica“ zum Heilpflanzenanbau der Arzneimittelhersteller Dr. Willmar Schwabe und Deutsche Homöopathie-Union (DHU) in Staffort. Dabei wurden die beiden FDP-Politiker von einer Gruppe von Liberalen aus der Region begleitet und kamen auch mit Unternehmens-Vertretern ins Gespräch, die sich sehr über den Besuch freuten.“

Rein zufällig natürlich, das glaubt man gern, dass man sich dort freute. War das doch eine unbezahlbare Gelegenheit, bei Vertretern der Politik das Natürlichkeitsimage der Homöopathie zu vertiefen.

Besonders bemerkenswert:
„Die ausschließlich per Hand geernteten Pflanzen bzw. Pflanzenteile werden im nahe gelegenen Hauptwerk der DHU in Karlsruhe zu homöopathischen Arzneimitteln weiter verarbeitet. Die jährliche Erntemenge beträgt bis zu 60 Tonnen.“

Es wird hier, ohne es auszusprechen, die Identität von Naturheilkunde, Phytotherapie und Homöopathie dem Leser aufs Stärkste suggeriert. Wobei allerdings die Frage bleibt, was man mit 60 Tonnen Rohmaterial für Homöopathika anfangen will… Das ist selbst für eine ausschließliche Herstellung von Niederpotenzen (darauf ist allerdings die DHU gerade nicht spezialisiert) eine astronomische Menge. Deshalb unterstellen wir fairerweise einmal, dass der größte Teil dieses Ertrages nicht in homöopathische Arzneimittel, sondern in die Produktion von Phytopharmaka geht – obwohl das aus dem Wortlaut durchaus nicht hervorgeht. Statt dessen wird dem unvoreingenommenen Leser eher das Gegenteil suggeriert. 

Die Homöopathie ist eine solitäre, eigenständige Gedankenkonstruktion, die mit anderen Ansätzen, insbesondere solchen der Natur- und Pflanzenheilkunde, nicht das Geringste zu tun hat. Weder ihre Grundannahmen noch ihre Praxis lassen sich irgendwie zu naturheilkundlichen Prinzipien in Beziehung setzen – man kann es offenbar nicht oft genug wiederholen.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Regionalgruppe Pfalz/Nordbaden der GWUP die Initiative ergriffen hat und dem zitierten Bericht eine Anzeige in der „Stutensee-Woche“, dem Amtsblatt der Gemeinde Stutensee, hat folgen lassen, die mit dem passenden Meme unseres Susannchens darauf hinweist, dass Homöopathie keine Naturheilkunde ist.

Auf dieser Webseite finden Sie grundlegende Informationen zu diesem Thema, beispielsweise hier und hier. Einen gut verständlichen und präzise begründeten Beitrag zur Frage, warum Homöopathie keine Naturheilkunde ist, hat vor kurzem die Seite „Susannchen braucht keine Globuli“ veröffentlicht. 


Bildnachweis: Privat

Neue Homepage Susannchen INH

Das Maskottchen des INH, das pfiffige Susannchen, hat ab sofort neben ihrer Facebook-Seite einen eigenen Webauftritt unter

www.susannchen.eu.

Der Webauftritt ergänzt die Facebook-Seite von Susannchen, ihrem Bruder Max und ihren vierbeinigen Freunden. Erhaltenswerte Beiträge, die auf der Facebook-Timeline allzu schnell kaum noch auffindbar sind, werden auf der Webseite erhalten und sollen nach und nach ein Kompendium von Informationen für Susannchens Zielgruppe -Eltern und alle, die für unsere Kleinen sorgen- bilden. Die Webseite verfügt über umfangreiche Such- und Findemöglichkeiten, die in den sozialen Medien so nicht zur Verfügung stehen. Eine Reihe früherer Beiträge der Facebook-Seite sind bereits auf der neuen Webseite abrufbar.

Eigene Beiträge vom Susannchen werden zukünftig zeitgleich auf der Webseite und auf Facebook veröffentlicht. Die Domänen des Facebook-Auftritts sind und bleiben daneben die tagesaktuellen Nachrichten und Links.  

Allen gegenwärtigen und zukünftigen Susannchen-Fans sei der Webauftritt als Sammlung interessanter und relevanter Informationen rund um das Familienleben ohne Pseudomedizin empfohlen.

Homöopathie in England verbannt

Der National Health Service (NHS), der Träger des Gesundheitssystems in Großbritannien, hat die Verschreibungsfähigkeit von Homöopathika (und 17 weiteren Mitteln, durchweg pflanzliche Remedien) beendet. Der Schritt erfolgte wegen "geringer klinischer Wirksamkeit" und/oder "geringer Kosteneffizienz". Ein ebenso konsequenter wie überfälliger Schritt. Der "Guardian" und der "Telegraph" berichten.

Die Good Thinking Society, die Vereinigung der englischen Skeptiker, begrüßte diesen Schritt des NHS nachdrücklich: "Das ist eine sehr willkommene Nachricht. Jede glaubwürdige medizinische Institution ist sich sicher, dass homöopathische Heilmittel schlicht und einfach keinerlei Wirksamkeit haben, unter keinen Umständen - und es ist toll, dass diese klare und starke Aussage vom NHS offiziell als Tatsache anerkannt wird."

Natürlich spielt auch der wirtschaftliche und finanzielle Druck auf den NHS hier eine Rolle. Das schmälert die Bedeutung dieses Schrittes aber in keiner Weise. Wir hoffen, dass es hier bei uns nicht erst zu einer solchen Drucksituation kommen muss, bis erkannt wird, dass im öffentlichen Gesundheitssystem kein Platz für unwirksame Mittel und Methoden ist, nicht nur und im Grunde nicht einmal vorrangig aus wirtschaftlichen Gründen.

Schon 2009 kam das Science and Technology Committee des House of Commons (englisches Unterhaus) in seinem "Evidence Check 2: Homeopathy" zu dem Ergebnis: "Homeopathy should not be funded on the NHS and the MHRA should stop licensing homeopathic products.... We conclude that the Government’s policies on the provision of homeopathy through the NHS and licensing of homeopathic products are not evidence-based."

Hieraus wurden nun die Konsequenzen gezogen. Kernaussage des NHS: "Homöopathie ist im besten Falle Placebo". Dem können wir uns nur anschließen.

 

 

Bildnachweis: Fotolia_62171586_S

Bekenntnisse einer Ex-Homöopathin im Nürnberger Planetarium (Veranstalter: Kortizes).

Jetzt als Video auf YouTube (ca. 40 Min):

https://www.youtube.com/watch?v=2I-1HICyz9g

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Viele Menschen fühlen sich zu pseudomedizinischen Methoden wie u.a. auch der Homöopathie hingezogen, weil sie einer falschen Vorstellung von "Natürlichkeit" unterliegen. Diese falsche Vorstellung steigert sich oft bis hin zur Forderung, doch bitte sanfte Medizin "ganz ohne Chemie" zu bekommen, nur "natürlich behandelt" zu werden und sich und seine Kinder vor "Chemiebomben" bewahren zu wollen. Eine Haltung, die durchaus Gefahren bergen kann, nämlich dann, wenn eine notwendige Behandlung mit pharmazeutischen Mitteln ihretwegen aufgeschoben wird oder gar ganz unterbleibt. Die Werbung für altenativmedizinische Mittel und Methoden hat sich darauf längst eingestellt.

Aber ist hier nicht irgendwo ein ganz grundlegender Denkfehler verborgen? Dieser neue Blogartikel mit dem etwas ironischen Titel "Für mich bitte keine Chemie" versucht eine Antwort.

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