Heute (7. Dezember 2017) erscheint in der WELT ein Interview mit Dr. Christian Lübbers unter der Überschrift „Wenn Ärzte Globuli geben, entsteht Pseudosicherheit“ (in der Printausgabe morgen, 8. Dezember). Leider online hinter einer Paywall (die per Tagesticket "überwunden" werden kann). Dr. Lübbers verdeutlicht darin, was denn so kritikwürdig an der Erstattungspraxis der Krankenkassen für die Pseudomedizin Homöopathie ist.

Dr. Lübbers konstatiert, dass sich trotz intensiver Diskussion des Themas und recht großer Medienpräsenz im ablaufenden Jahr, nicht zuletzt dank seiner Anstöße auf Twitter, sich gleichwohl nichts bewegt hat. Was umso befremdlicher sei, als dass die Wissenschaftscommunities weltweit, zuletzt der EASAC, das höchste Wissenschaftsgremium der EU, die Homöopathie geschlossen als unwirksame Scheintherapie brandmarken.

Interessant sind seine Ausführungen zur Problematik der Verwendung von Homöopathie gerade durch Ärzte. Zitat:

"Wenn Eltern auf dem Spielplatz einander Globuli für die Kinder empfehlen, ist das meist harmlos. Wenn die Kügelchen nicht wirken, werden die Eltern schnell skeptisch und bringen das Kind doch zu einem Arzt, der wirksame Medizin verschreibt oder weitere Diagnostik durchführt. Aber wenn ein Arzt die Globuli gegeben hat, etwa bei Vorliegen einer beginnenden Mittelohrentzündung, die sich dann aber im Verlauf deutlich verschlechtert, warten die Eltern womöglich zu lange ab. Nach dem Motto „Der Arzt wird schon wissen, was er tut“. Solch ein Verlauf endete erst im Mai in Italien für einen siebenjährigen Jungen tödlich."

Zudem geht es im Interview um die Diskrepanz zwischen der oft nicht nachvollziehbaren Erstattungspraxis für evidenzgesicherte Medizin angesichts der kritiklosen Erstattung von Homöopathieleistungen, was -wie wir finden- eigentlich jeden mitdenkenden und solidarisch eingestellten Versicherten der GKV auf den Plan rufen müsste. 

Auch das angekündigte Gespräch von Dr. Lübbers zusammen mit Natalie Grams bei einer großen Krankenkasse findet Erwähnung - warten wir es ab!

Leseempfehlung!

 

Kleiner Nachtrag:
Das Bild zum Beitrag bei der WELT zeigt ein Globulifläschchen mit der Aufschrift "Agrimony" - Bach-Globuli mit der Unterschrift "Homöopathische Globuli". Geradezu symptomatisch für die allgemeine Unkenntnis pseudomedizinischer "Pharmazie" - das ist ein Bachblüten-Präparat, damit alles andere als Homöopathie. Zum Prinzip der Bachblüten findet sich auf unseren Seiten eine Erklärung hier. Das Bach-Präparat Agrimony (Odermennig) wird eingesetzt "für den Weg von der Scheinharmonie … … zum inneren Frieden. Seelische Negativhaltung. Man versucht, quälende Gedanken und innere Unruhe hinter einer Fassade von Fröhlichkeit und Sorglosigkeit zu verbergen." Wäre das nicht was für unsere Krankenkassenmanager? Aber Homöopathie ist es nicht, und Bach-Globuli sind eine Darreichungsform, die Edward Bach nicht kannte.

 

Text: Udo Endruscheit
Bild: Dr. Christian Lübbers via WELT

Auf dem Portal Krebs-Rat-Hilfe ist ein Artikel zu "Homöopathie in der Onkologie", verfasst von Dr. med. Natalie Grams, Dr. Ing. Norbert Aust und Dr. med. Wolfgang Vahle vom INH, erschienen.
Sogenannte "alternative Krebstherapien", unter denen die Homöopathie eine der verbreitetsten ist, gehören zu den gefährlichsten und unethischsten "Angeboten" der pseudomedizinischen Szene. Der Artikel bei Krebs-Rat-Hilfe befasst sich wissenschaftlich fundiert mit diesem wichtigen Thema, ist aber für jedermann gut lesbar. Wir empfehlen ihn sehr Ihrer Aufmerksamkeit.

 

 

Bildnachweis: Fotolia_54048950_XS

Immer wieder werden wir nach Informationsmaterial zu unseren Themen gefragt. Wir freuen uns deshalb, hier den neuen Infoflyer des Informationsnetzwerks Homöopathie zum Download bereitstellen zu können. Der Flyer ist für Arztpraxen gedacht, die darüber informieren möchten, warum bei ihnen keine Homöopathie angeboten wird. Adressat des Inhalts ist aber letztlich jedermann als Patientin oder Patient, deshalb laden wir Sie herzlich ein, auf diesem Weg vom Infoangebot des Flyers Gebrauch zu machen.
Der Flyer steht im Downloadbereich von "Susannchens kleinem Shop" zur Verfügung. Sie können die Downloadseite direkt über diesen Link erreichen. 

Sie sind Praxisinhaber oder haben sonst die Möglichkeit und das Interesse, Druckexemplare des Flyers zu verbreiten? Bei der Geschäftsstelle der GWUP können Sie über das dortige Kontaktformular unter https://www.gwup.org/kontakt Ihre Bestellung aufgeben. Der Bezug ist kostenlos, bei größeren Mengen ist eine Spende an die GWUP (der beim Verwendungszweck auch das Kennwort „INH“ hinzugefügt werden darf) gern willkommen – kleinere Mengen sind aber auch kein Hindernis dafür:

Sie haben die Möglichkeit, in einem Online- oder Printorgan den Flyer und seine Bezugsquellen bekannt zu machen? Sehr gern, wir freuen uns! Über eine kurze Information dazu unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wären wir dankbar.

Ihr
Informationsnetzwerk Homöopathie



Vor kurzem erreichte das INH eine Mail, die wir mit freundlichem Einverständnis des Einsenders hier wiedergeben dürfen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für ihre sehr aufschlussreiche Seite. Sie hat mich davor bewahrt, meinen kürzlich festgestellten Hirntumor versuchsweise mit Homöopathie zu behandeln. Beim Gespräch mit meiner bisherigen Homöopathin ist mir aufgefallen, dass von Homöopathen auch gerne noch das Argument der tollen indischen Homöopathen angeführt wird und wie beliebt die Homöopathie in Indien sei. Warum ist sie dort eigentlich so verbreitet? Weil die medizinische Versorgung dort wahrscheinlich generell sehr schlecht ist? Vielen Dank für ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen


Selbstverständlich haben wir dem Einsender auch geantwortet:

Sehr geehrter Herr ... ,

es freut uns außerordentlich, wenn unsere Seiten Ihnen geholfen haben, eine falsche und möglicherweise mit negativen Folgen verbundene Entscheidung zu vermeiden.

Dürfen wir Ihre Zuschrift - natürlich anonymisiert - auf unserer Webseite veröffentlichen? Da wir ja völlig unentgeltlich arbeiten, wäre ein solcher Erfolg mit die größte Anerkennung unserer Arbeit, die wir erhalten können.

Zu Ihrer Frage:
Über die Situation in Indien sind wir nur sehr indirekt informiert, quasi nur aus den öffentlich zugänglichen  Quellen ohne eigene Insider-Erfahrungen.

Große Teile der indischen Bevölkerung sind bettelarm, da hat die Homöopathie schon den Vorteil für wenig Geld eine Behandlung anzubieten, die zumindest über Placebo-Effekte auch einen Nutzen bringt. Insofern ist die Situation anders als hierzulande: Hier ist die vom öffentlichen Gesundheitswesen angebotene evidenzbasierte konventionelle Medizin die Alternative der Wahl. Dort ist es für die arme Bevölkerung schlicht und einfach Nichts. Insofern muss man die Situation dort meiner Meinung nach ein wenig anders bewerten.

Hinzu kommt, dass in Indien die Spiritualität wesentlich stärker verbreitet ist, so dass eine auf Glauben und Vertrauen auf eine Heilkraft angelegte Therapie wahrscheinlich wesentlich größere Berge versetzen kann als bei uns.

Zur Historie:
Ich denke, eine große Rolle bei der Ausbreitung der Homöopathie in Indien zu Ende des 19. Jahrhunderts hat gespielt, dass die Homöopathie aus Deutschland kam - und nicht von der verhassten Kolonialmacht England. Gerade als Deutschland im ersten Weltkrieg Kriegsgegner Englands wurde, dürfte das die Ausbreitung beflügelt haben, ebenso der günstige Preis sowie die einfache Herstell- und Handhabbarkeit. Ich kann aber hierfür jetzt keine belastbaren Quellen angeben.

Wenn Sie sich genauer damit befassen möchten, dann kann ich Ihnen diese Ausarbeitung empfehlen. (http://www.igm-bosch.de/content/language1/downloads/s-2008-1044071.pdf) Sie ist insofern bemerkenswert, da die Robert-Bosch-Stiftung der Homöopathie durchaus nahesteht - hier aber dennoch ein eher pessimistisches Bild der Situation zeichnet.

Mit den besten Wünschen für Ihre weitere Gesundheit
viele Grüße

Für das Informationsnetzwerk Homöopathie

Norbert Aust

 

Welcher Erfolg könnte größer sein, als einen Patienten vom Verzicht auf eine geplante homöopathische Behandlung überzeugt zu haben, zumal bei einer nichttrivialen Erkrankung? Wir hoffen sehr, dass noch mehr Patientinnen und Patienten ähnlich entschieden haben und entscheiden werden (auch ohne dass wir davon erfahren). Dies motiviert uns zusätzlich, unsere Aufklärungsarbeit fortzusetzen. 

Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung spricht uns in der Vertreterversammlung vom 22.09.2017 aus dem Herzen - in vielerlei Hinsicht:


"Für die Zeit nach der Wahl erhoffe ich mir im Übrigen auch eine Überarbeitung des Heilpraktikergesetzes. Es ist einfach absurd, welcher Wildwuchs hier nonchalant toleriert wird, der – machen wir uns nichts vor – nicht selten eine reale Patientengefährdung darstellt. Für uns Vertragsärzte gelten höchste Qualitätsstandards und eine kontinuierliche Fortbildungsverpflichtung – und ein Heilpraktiker kann seine Heilstätte aufmachen, wo er will, und auch noch die Preise selbst bestimmen? Wenn ich an das LSG-Urteil zur Mischpreisbildung denke und an die Regressgefahr, in der sich unsere Kollegen ständig befinden, kommt mir bei dem Thema die Galle hoch. Mal ganz abgesehen von der Frage nach der Haftung, die uns Ärzte ständig mit einem Bein im Gefängnis bzw. im finanziellen Ruin stehen lassen.

Ich habe für meine Aussage zur Homöopathie nach der VV im Mai sehr viel Zuspruch, aber auch Kritik geerntet. Deswegen möchte ich hier noch einmal klarstellen: Ich habe nichts gegen eine ärztliche Komplementärbehandlung dieser Art. Wir haben viele Kollegen, die sie mit Augenmaß und Abstimmung mit ihren Patienten mit durchaus guten Erfahrungen anwenden. Dennoch spreche ich mich gegen die Erstattung solcher Angebote durch die gesetzliche Krankenversicherung aus. Jedes neue Medikament muss einen aufwendigen Prozess im G-BA durchlaufen, ehe es von uns verordnet werden kann – und selbst dann können wir finanziell haftbar gemacht werden. Aber für die neuesten Kügelchen, für die keine standardisierte Nutzenbewertung gilt, blättert so manche Kasse ohne mit der Wimper zu zucken Hunderte von Euros hin? Es tut mir leid, aber hier hört für mich der Spaß auf. Solange in Deutschland 15 bis 20 Prozent der erbrachten ärztlichen Leistungen nicht bezahlt werden, ist das nicht akzeptabel."

Quelle: http://www.kbv.de/html/31160.php

 

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