Die Diskussion über Homöopathie und Heilpraktiker hat in den letzten Wochen in den Medien große Aufmerksamkeit erhalten. Viele namhafte Persönlichkeiten des Gesundheitswesens haben sich dahingehend geäußert, dass beides auf den Prüfstand gehört. Das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) hat schon vor zwei Monaten den Bundesminister für Gesundheit, Herrn Hermann Gröhe, aufgefordert, die unseres Erachtens unsinnige Behauptung der Homöopathen, ihr Konzept sei unstrittig wissenschaftlich bewiesen, einer neutralen Begutachtung zu unterziehen. Leider hat der Minister bis heute darauf nicht reagiert.

Der Tod von drei Krebspatienten in Brüggen im Gefolge einer sogenannten alternativmedizinischen Behandlung durch einen Heilpraktiker hat noch einmal besonders deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Medizin auf gut untersuchte Behandlungsverfahren zu stützen und selbsternannte Heiler in ihre Schranken zu verweisen. Nun ging es in diesem Fall nicht um Homöopathie, der Zusammenhang zwischen Heilpraktikern und Homöopathie ist aber trotzdem eng.

Die Homöopathie ist in Deutschland gesetzlich geschützt und verleiht damit einerseits dem Heilpraktiker ein seriöses Image, aber die Heilpraktiker sind es auch, die in hohem Umfang die Homöopathie in der Bevölkerung weiter verbreiten. Zahlreiche obskure Verfahren wie die "Germanische Neue Medizin" verwenden die gleichen Argumentationen, die über Homöopathie und Heilpraktiker hoffähig geworden sind: Es wird immer wieder ein heilloses Misstrauen gegenüber den Institutionen des Gesundheitswesens geschürt. Impfskepsis und Offenheit für Scharlatanerie jeder Couleur finden sich oftmals mit Homöopathie und Heilpraktikerwesen in einem Boot.

Deshalb erneuern wir heute unsere Forderung an Herrn Gröhe, die Homöopathie nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilen zu lassen und dann selbst zu bewerten, was von dem sogenannten Forschungsbericht der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) zu halten ist. Es ist höchste Zeit, dass die Politik sich den Vertretern unseriöser Heilsversprechen offensiv entgegenstellt.

 

Hier unser Text vom 19. Juli 2016:

Sehr geehrter Herr Minister Gröhe,

die Homöopathie ist ein populäres Verfahren, das Heilung auch bei schweren Erkran­kungen verspricht. Dabei steht eine Wirksamkeit der Präparate im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaften und wurde nicht wissenschaftlich schlüssig und fundiert nachgewiesen. Dennoch behaupten ihre Anhänger, dass diese Methode auch bei schwersten Pathologien (z. B. Krebs, Schlaganfall, Rheuma, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale) erfolgreich eingesetzt werden könne.

Die Mitglieder des Informa­tionsnetzwerks Homöopathie (INH) engagieren sich dafür, dass diese Widersprüche in der breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht werden und bitten Sie heute um Ihre Unterstützung in folgender Angelegenheit:

Während frühere Generationen von Homöopathen noch einen direkten Vergleich mit bewährten medizinischen Methoden weitestgehend abgelehnt hatten, argumentieren sie heute damit, die Wirksamkeit der Homöopathie sei durch gute klinische Studien praktisch erwiesen. Zuletzt in der sogenannten Dokumentation zum Stand der Ho­möopathieforschung, die im Mai 2016 von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) veröffentlicht wurde. Dieses Papier wendet sich ausdrück­lich an die Öffentlichkeit. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass diese Be­trachtungen einen therapeutischen Nutzen hinreichend belegten und die Ergebnisse für eine spezifische Arzneimittelwirkung sprächen. Besonders bei den hoch verdünnten Homöopathika, in denen nach übereinstimmender Bewertung keine Moleküle eines potentiell wirksamen Arzneistoffes enthalten sind.

Diese Publikation hält das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) für nichts ande­res als einen weiteren Versuch der Ablenkung von der internationalen Forschungs­lage zur Homöopathie. Allenfalls dazu geeignet, Patienten glauben zu machen, die aberwitzigen Ansprüche der Homöopathie seien wissenschaftlich erwiesen. Diese Überzeugung bei Patient oder Therapeut kann, wie einzelne publik gewordene Fälle belegen, zur Unterlassung wirksamer Therapien bis hin zu ernstesten Beeinträchti­gungen der Gesundheit führen.

Gleichwohl sollten der Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und die Wis­senschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) beim Wort genommen und von neutraler Seite überprüft werden, ob die Bewertungen der Studienlage im For­schungsbericht der WissHom nachvollziehbar sind.

Das BMG hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Methodik der evidenz­basierten Medizin bewährt hat und in diesem Zusammenhang 2015 im Bundestag nicht zufällig auf das IQWiG und das Freiburger Cochrane Zentrum verwiesen. Beide Institutionen sind in der Bewertung klinischer Studien hoch erfahren. Mit der Me­thodik der evidenzbasierten Medizin werden alle medikamentösen und nichtmedika­mentösen Behandlungsverfahren für die gesetzliche Krankenversicherung geprüft.

Wir sind insoweit der Auffassung, dass die Homöopathie nicht weiter von derartigen Überprüfungen ausgenommen werden darf.
Wir fordern das BMG auf, ein Gutachten zur Aussagekraft des Forschungsberichts der WissHom bei einer unstrittig wissenschaftlich ausgewiesenen Institution in Auftrag zu geben.

 

Unterzeichner:

Prof. Norbert Schmacke
Dr.-Ing. Norbert Aust
Dr. rer. nat. Andreas Breß
Dr. med. Renate Budde 
Prof. Dr. Edzard Ernst
Dr. med. Natalie Grams
Dr. med. Oliver Harney
Prof. Dr. Rudolf Happle
Prof. Dr. Christoph Lang 
MUDr. Viliam Masaryk
Dr. med. Benedikt Matenaer
MUDr. Tomas Ondriga
Dr. med. Jan Oude-Aost 
Dipl. Ing. Amardeo Sarma 
Dipl.-Stomat. Sylvia Stang
Michael Sturm
Dr. med. Wolfgang Vahle 
Dr. habil. Rainer Wolf

 

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