Uni FBEin Gastbeitrag von Dr. phil. Susanne Dietz

Es gibt sie leider, die Jakeszs, Hubers, Broers, Burkarts, Dahlkes, u.a. dieser Welt, die (neben gelegentlich vorhandener Fachkompetenz in ihrem Gebiet) esoterisch-spirituell verbrämte Glaubenssätze verbreiten und damit Geld verdienen.

Da ich selbst im akademischen Sektor tätig war und weiß, dass man dort auf besondere Weise dem Wissen verpflichtet ist, ist es mir seit Langem persönlich ein Unding, vereinzelt zu erleben, wie einige m. E. intellektuell verunglückte „Wissenschaftler“ oder Mediziner ihrem Sektor bewusst - weil mit besserem Wissen und ergo anzunehmender Gewissenlosigkeit - Schaden zufügen und andere Menschen in die Irre führen.

Die Einstellung integrer Wissenschaftler zu solchen Offenbarungseiden wissenschaftlichen Ethos´ besteht gelegentlich noch im Abwinken und der Äußerung: „Ich habe Besseres zu tun, als mich mit sowas zu befassen. Ist doch klar erkennbar, dass xy neben der Spur läuft.“

Bedaure, aber nein, es ist eben für Viele nicht klar erkennbar. Der Durchschnittsbürger erkennt nur, dass hier jemand „vom Fach“ seine Glaubenswelt bestätigt und führt diesen immer wieder als Begründung für die Erhaltung seiner Sicht von der „spirituell/esoterischen Welt“ an. Aber er erkennt nicht (oder will nicht erkennen), dass dies nur eine faktennegierende Interpretation der Realität ist. Einer Realität, die - im 21. Jh. ist die Forschung weit gediehen - kaum bis nichts mit Esoterik zu tun hat, sondern mit Regeln und Gesetzen, die uns oftmals nicht gefallen und darüber hinaus z.T. schwer verständlich sind, weil sie unseren alltäglichen Denkstrukturen und -prozessen zuwiderlaufen.

Sie ermöglichen so Laien, aus mal mehr und mal weniger niedrigen Beweggründen, pseudowissenschaftliches Cherrypicking zu betreiben und so sich selbst einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, der de facto keiner ist. Und ... sich damit nicht gerade selten pekuniär zu verbessern. 

Unsere Welt, unsere Existenz, unsere Endlichkeit ist nicht einfach zu verstehen und auch nicht einfach zu akzeptieren. Dass Viele sich daher ein Weltbild zusammenklauben, dass ihnen Pseudosicherheit und Wohlgefühl bereitet, ist mir verständlich. Aber einverstanden sein kann ich damit nicht.
Denn es ändert nichts daran, dass Glaube und Wissen zwei paar Stiefel sind und am Ende des Tages das, was wir wissen, dem, was wir glauben, vorzuziehen ist – ganz einfach weil es WISSEN ist. Und die Natur von gesichertem Wissen - wie z.B. die Unwirksamkeit von Homöopathie jenseits des Placebo - ist seine Unverhandelbarkeit.

Wenn also die wissenschaftliche Gemeinde z.B. Mediziner wie R. Jakesz, oder J. Huber (anbei: das sind Ärzte und noch lange keine Wissenschaftler - immerhin: Dahlke wurde mit dem goldenen Brett vorm Kopf ausgezeichnet. Das tröstet ein wenig) - oder D. Broers, dessen phantasievoller akademischer Werdegang mehr als fragwürdig ist, oder S. Hahnemann aus vorwissenschaftlichen Zeiten u. a. esoterisch angehauchte „Kollegen“ und deren Postulate nicht in aller Öffentlichkeit in ihre Schranken verweisen, begehen sie in meinen Augen eine Unterlassungssünde, die Status und Ruf der Wissenschaft schädigt.

Ich würde mir wünschen, dass mehr und mehr Personen und Gremien aus dem wissenschaftlichen / akademischen Bereich klarer gegen solche Strömungen Stellung bezögen, ebenso, wie es der Münsteraner Kreis gegenüber der Homöopathie tut.

Wir haben die Möglichkeit, uns gezielt zu informieren: Es gibt Cochrane, Higgs, INH, gwup, mailab, medwatch, und Blogger wie Dr. Natalie Grams, Dr. Florian Aigner, Dr. Norbert Aust und und viele, viele mehr. Es wäre also für jede intellektuelle Gruppierung etwas dabei, um sich gegen Esoterik und Pseudomedizin, deren falsche Behauptungen und Manipulationen zu schützen und somit auch in Folge den eigenen Geldbeutel und die eigene Gesundheit zu schonen. 
Diese Holschuld wird aber nicht immer gelebt – selbst von Akademikern nicht. Was sagt uns das? Dass das persönliche Wohlgefühl bei manchen mehr zählt, als die mit Wissen einhergehenden Grenzen des Machbaren und damit implizit einige Unbequemlichkeiten und Unwägbarkeiten, die es halt mal auszuhalten gilt in der realen Welt. Selbst einige Studierte wollen lieber glauben und verdrängen, obwohl sie es besser wissen. Und genau da hört der Spass auf.

Denn eines wissen Akademiker:

Verschwörungstheorien aller Art sind gelebte Denkfehler, die als solche klar erkennbar sind und benannt werden können ... und auch müssen, damit die vielfältigen Schädigungen, die von esoterischen Interventionen aller Art ausgehen können, eingedämmt werden. Die Verantwortung trägt die wissenschaftliche Gemeinde des 21. Jahrhunderts, ganz einfach deshalb, weil sie es kann und es besser weiß.Ergo: Wenn Akademiker resp. einige Mediziner und einige Wissenschaftler sich der Esoterik bedienen, hat das eine deutliche Nähe zu Vorsatz und hat mit Eigeninteressen und Manipulation anderer zu tun. Folglich kann ich mich nicht erwehren, anzunehmen, dass es sich um Betrug handelt. Der Satz: „Sie wissen nicht, was sie tun.“ zieht jedenfalls nicht.An dieser Stelle geht es nicht mehr ums Wünschen – ich ERWARTE von Akademikern, dass sie differenzieren, sauber schlussfolgern (d.h. kein vereinfachendes Ursache-Wirkungsdenken zugrunde legen) und sich gegenüber Esoterik klar positionieren. Mir kann kein Akademiker erzählen, dass er es nicht besser weiß – oder wenigstens besser wissen könnte, wenn er das täte, was er gelernt hat: sauber Recherchieren.

Und warum habe ich das geschrieben?Ich habe promoviert und verbinde mit dem Titel nicht nur eine akademische Leistung. Vor allem verbinde ich damit ein klares akademisches Ethos: ich fühle mich fachübergreifend sauberem, entwicklungsorientiertem Wissenserwerb, realitätskonformem Wissenserhalt und integrer Wissensvergabe verpflichtet.

Dr. phil. Susanne Dietz


Der vorstehende Beitrag erschien zuerst im Blog "Draufgeschaut" von Dr. Susanne Dietz und wird hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlicht.Originalbeitrag unter http://dietz-trainings.com/#4#blog#30 


 Bildnachweis: Pixabay Creative Commons CC0

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